Im deutschen Koalitionsstreit um den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken hat am Sonntag ein Spitzentreffen von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) stattgefunden. Das Treffen ging am Nachmittag zu Ende, über die Inhalte wurde Stillschweigen vereinbart, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr.

Nach Informationen der dpa wurde eine Fortsetzung der Gespräche für Montag vorbereitet. Eine offizielle Ankündigung gab es aber zunächst nicht. Vertreter von Grüne und FDP äußerten sich am Abend optimistisch, was eine rasche Einigung betrifft.

"Hoffentlich" werde dies am Montag der Fall sein, sagte die Grüne Fraktionschefin Katharina Dröge der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Auch FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai sagte am Sonntagabend dem "Spiegel", er sei zuversichtlich, dass die Ampel-Koalition "Anfang der Woche" eine gute Lösung erzielen werde. In der ZDF-Sendung "Berlin direkt" sagte der FDP-Politiker, es sei möglich, dass am Montag ein Ergebnis zustande komme, es könne aber auch am Dienstag sein.

Grüne wollen zwei, FDP drei Atomkraftwerke länger betreiben

Bis zum Beginn des Spitzengesprächs hatte sich kein Kompromiss abgezeichnet. Die Grünen wollen die beiden süddeutschen Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim 2 bis zum 15. April in Reserve halten und bei Bedarf weiter für die Stromerzeugung nutzen. Das dritte noch verbleibende AKW Emsland hingegen soll mit 1. Jänner 2023 endgültig abgeschaltet werden.

Die FDP verlangt angesichts der stark gestiegenen Energiepreise dagegen einen Weiterbetrieb aller drei Kraftwerke bis ins Jahr 2024 und gegebenenfalls die Reaktivierung bereits stillgelegter AKW. Die SPD positioniert sich in dem Streit nicht eindeutig, ist aber eher auf der Seite der Grünen zu verorten. Sie drängt vor allem darauf, eine schnelle, pragmatische Lösung zu finden. (apa, dpa)