Russland setzt seine Teilnahme an dem von den UN und der Türkei vermittelte Abkommen mit der Ukraine zum Schiffsexport von Getreide aus. Das berichtete die russische Agentur Tass am Samstag unter Verweis auf das Verteidigungsministerium in Moskau. Zur Begründung wurde auf angebliche Angriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer verwiesen.

Russischen Angaben zufolge haben ukrainische Streitkräfte mit Hilfe von Drohnen am Samstag Schiffe der Schwarzmeerflotte in Sewastopol auf der Krim angegriffen. Dabei sollen sie von Großbritannien unterstützt worden sein. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, weil die Sicherheit des für die Getreidetransporte eingerichteten Korridors nicht mehr gewährleistet werden könne, werde das Abkommen ausgesetzt.

Die ukrainische Regierung warf Russland in einer ersten Reaktion Erpressung vor. Russland erfinde Angriffe auf eigene Einrichtungen.

Das russische Ministerium hatte zuvor Großbritannien vorgeworfen, sowohl an den Angriffen auf die Schwarzmeerflotte in Sewastopol am Samstag als auch an den Nord-Stream-Explosionen Ende September beteiligt gewesen zu sein. Dies wurde von London empört zurückgewiesen.

"Falsche Behauptungen"

"Um von ihrem katastrophalen Umgang mit der illegalen Invasion in der Ukraine abzulenken, greift das russische Verteidigungsministerium auf die Verbreitung falscher Behauptungen epischen Ausmaßes zurück", erklärte das britische Verteidigungsministerium über Twitter. "Diese erfundene Geschichte sagt mehr über Streitigkeiten innerhalb der russischen Regierung aus als über den Westen. Die britische Marine besitze gar nicht die Fähigkeit, die Gasleitungen zu sprengen, sagte der frühere Royal-Navy-Admiral Chris Parry dem Sender Sky News.

Die Ukraine hat immer wieder erklärt, die von Russland seit 2014 besetzte Krim zurückerobern zu wollen. Die Stadt Sewastopol auf der Halbinsel ist für Moskau wichtig als Basis der Schwarzmeerflotte. Immer wieder wird die Halbinsel auch von Explosionen erschüttert, für die Russland die Ukraine verantwortlich macht. Kiew schweigt dazu meist. Am 8. Oktober etwa war die für den Nachschub der russischen Invasionstruppen in der Ukraine wichtige Kertsch-Brücke zwischen Russland und der Krim durch eine Explosion schwer beschädigt worden.