Mit einer Reihe von Gedenkveranstaltungen haben die Tschechen am Donnerstag den 33. Jahrestag des Beginns der "Samtenen Revolution" von 1989 begangen. Damals wurde das Ende des kommunistischen Regimes in der damaligen Tschechoslowakei eingeläutet. Das Zentrum der Gedenk-Aktivitäten war traditionell die Prager Straße "Národní", wo sich Menschen versammelten, um an die brutale Niederschlagung der friedlichen Studentendemonstration vom 17. November 1989 zu erinnern.

Es kamen auch Spitzenpolitiker, legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Der konservative Regierungschef Petr Fiala (ODS) erklärte, der 17. November sei für ihn der "schönste Staatsfeiertag", weil der Traum, die kommunistische Diktatur loszuwerden und die Freiheit wiederherzustellen, erfüllt worden sei. Demokratie und Freiheit seien aber zerbrechlich, sodass man sich weiter um sie kümmern müsse. Dass die Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeit seien, zeige auch der "nicht weit von uns entfernte Krieg", so Fiala in Anspielung auf die russische Aggression gegen die Ukraine.

Der Vizepremier, Innenminister und Chef der Bürgermeisterpartei (STAN), Vít Rakušan, sagte, die größte Gefahr für die Demokratie seien "faule Demokraten", die die Errungenschaften der Freiheit genießen, jedoch beim Auftreten von Problemen nicht bereit seien, das System zu verteidigen. Einige Menschen riefen dabei "Regierung, Schande!" und "Rakušan Faschist".

Unter den ersten Personen, die auf die "Národní" kamen, war Andrej Babiš, der Chef der oppositionellen Bewegung ANO, Ex-Premier und Kandidat fürs Amt des Staatspräsidenten. Dabei erklärte er, der 17. November 1989 bedeute für ihn vor allem Personenfreizügigkeit, Meinungsfreiheit, freie Wahlen und die Möglichkeit, unternehmerische Tätigkeit zu betreiben. Einige Menschen schrien Babiš an, als er die Blumen an der Gedenkplakette niederlegte. "Blumen von Stasi-Leuten wünschen wir hier nicht!", stand auf einem Transparent in Anspielung auf eine angebliche Zusammenarbeit von Babiš mit der kommunistischen Geheimpolizei (StB) vor 1989. Babiš bestritt die Stasi-Kollaboration erneut.

Proteste gegen Regierung

Die Feierlichkeiten in Prag wurden durch Proteste gegen die Regierung von Premier Fiala überschattet. Für den Nachmittag wurden Tausende Demonstranten bei einem Marsch erwartet, der durch das Stadtzentrum zum Gebäude des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehens (CT) führte, wo eine Kundgebung geplant war.

Der 17. November ist in Tschechien ein Staatsfeiertag – "Tag des Kampfes für die Freiheit und Demokratie". An diesem Tag wird nicht nur des Beginns der "Samtenen Revolution" von 1989 gedacht. Erinnert wird auch an den 17. November 1939, wo tschechische Hochschulen in dem damaligen Protektorat Böhmen und Mähren geschlossen worden waren. Es handelte sich um eine Reaktion auf die Proteste gegen die NS-Besatzungsmacht, bei denen der Student Jan Opletal tödlich verletzt wurde. Der Jahrestag des Todes von Opletal war im Jahr 1989 der Anlass für die Studentenversammlung, die als offizielle Veranstaltung des kommunistischen Jugendverbandes (SSM) erlaubt wurde. Die Veranstaltung mündete jedoch in einer Demonstration gegen das damalige kommunistische Regime.