Dem Westen geht offenbar die Artilleriemunition aus und auch die russiche Armee verschießt weit mehr, als die eigene Industrie produzieren kann. Militärexperten gehen unter anderem deshalb davon aus, dass es in den kommenden Monaten zu einer Verlangsamung des Krieges in der Ukraine kommen wird. Der US-Geheimdienst meinte zuletzt in einer Stellungnahme, dass bei den Russen eine beachtliche Knappheit an Munition zu beobachten sei. Moskau bemühe sich verzweifelt, Nachschub zu organisieren, unter anderem in Ländern wie Nordkorea. Laut US-Geheimdienst ist Russland jedenfalls längst nicht mehr in der Lage, das, was teilweise wahllos an der Front verschossen wird, selbst zu produzieren. 

Angriffswelle mit Marschflugkörpern

Am Montag schossen die Russen mit größeren Kalibern, die ebenfalls knapp werden: 70 bis 100 Marschflugkörper wurden in Richtung Ukraine gefeuert, von denen nach ukrainischen Angaben 60 abgefangen wurden. In einigen wenigen ukrainischen Städten kam es zu Stromausfällen, es sollen bis zu vier Menschen ums Leben gekomen sein. Die Bevölkerung wurde im ganzen Land aufgefordert, Schutzräume aufzusuchen. Auch in Kiew war die Luftabwehr im Einsatz.  Zuvor hat Moskau die Ukraine für Angriffe auf zwei russische Militärflughäfen mit mindstens drei Toten verantwortlich gemacht. Die dort befindlichen Flugzeuge seien allerdings nur unerheblich beschädigt worden.

"Munition knappes Gut"

Abseits davon steht auch der Westen vor erheblichen Material-Problemen. Laut dem tschechischen Rüstungskonzern CSG drohen auch hier massive Engpässe bei Artilleriemunition. "Artilleriemunition ist heute ein sehr knappes Gut", so  CSG-Konzerneigner Michal Strnad. Er schätze, dass es aufgrund der Unterstützung der Ukraine im Kampf gegen die russische Invasion zehn bis 15 Jahre dauern werde, um die Bestände der westlichen Armeen wieder aufzufüllen. Diesen Mangel bekämen die ukrainischen Streitkräfte bereits zu spüren, sagte Strnad.  "Tatsache ist, dass die Ukrainer heute weniger schießen, als sie könnten, weil sie nicht genug Munition haben."

Zudem kommt es an der Front zu anderen Abnützungs- und Ermüdungserscheinungen. Die Soldaten stehen oft wochenlang im Schlamm, ohne ins Trockene zu kommen. Die Nässe und Krankheiten ("Grabenfüße") machen Ukrainern wie Russen zu schaffen. Militärexperten gehen davon aus, dass man jetzt auf beiden Seiten Kräfte für eine kommende Offensive im Frühjahr sammelt. Wenn der Boden im Jänner und Febraur dauerhaft zufriert, werden die Bedinguungen für Panzer, andere Fahrzeuge und Geschütze zwar besser, der Krieg dürfte aber trotzdem maximal mit halber Kraft geführt werden.