Berlin. Nach der groß angelegten Razzia gegen sogenannte Reichsbürger wegen Umsturzplänen zur Errichtung eines neuen "Deutschen Reichs" gehen die Sicherheitsbehörden von deutlich mehr Mitwissern aus. Thüringens Innenminister Georg Maier rechnet mit weiteren Festnahmen, wie der SPD-Politiker am Donnerstag im Deutschlandfunk sagte. Wenn beschlagnahmte Beweisstücke wie etwa Mobiltelefone ausgewertet seien, würden wohl neue Verhaftungen folgen.

19 der 25 am Mittwoch auch in Österreich und in Italien Festgenommenen sind nach Angaben der deutschen Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mittlerweile in Untersuchungshaft. Die übrigen sechs Personen sollten im Tagesverlauf dem Haftrichter vorgeführt werden. Mit Ausnahme einer Russin sind alle Verhafteten deutsche Staatsbürger.

Insgesamt gibt es 52 Beschuldigte. An den Umsturzplänen waren nach Angaben des Generalbundesanwalts mindestens ein aktiver Bundeswehr-Soldat sowie zwei ehemalige Soldaten beteiligt. In Verdacht stehen außerdem der Adelige Heinrich XIII. Prinz Reuß als Kopf der Bande sowie die frühere AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkemann, die Richterin in Berlin ist. Der 71-jährige Reuß wurde an seinem Wohnort in Frankfurt am Main festgenommen, er ist Gutsherr eines Jagdschlosses im ost-thüringischen Bad Lobenstein, wo sich die Gruppe zu konspirativen Treffen versammelt haben soll. Geplant gewesen sein soll der Sturz der Bundesregierung und dabei auch die Erstürmung des Bundestags.

"Eine gefährliche Mischung"

Beunruhigt hat die Sicherheitsbehörden vor allem, dass die Gruppe über zahlreiche Waffen verfügt haben soll. Gefahndet wird nun nach einem Waffendepot. Dazu sind die Ermittler auch an dem Jagdschloss in Thüringen im Einsatz. Sorge bereitet auch die Verwicklung einer ehemaligen Bundestagsabgeordneten, die damit Zugang zum und Wissen über das Parlament bereitstellen konnte. "Wir haben eine gefährliche Mischung von Menschen, die auch irrationalen Überzeugungen folgen", sagte der Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, im ARD-Morgenmagazin. "Manche mit viel Geld, andere wiederum im Besitz von Waffen mit einem Plan, den sie auch ausführen wollen."

Die oft weit rechts gerichteten Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht an und verweigern die Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden. Die Bewegung gilt als sehr heterogen, auch im Lager der sogenannten Querdenker und Corona-Leugner sind sie zu finden. Im vergangenen Jahr zählte der Verfassungsschutz rund 21.000 Reichsbürger, davon 900 Rechtsextreme. Laut Bundesinnenministerium wurden von 2016 bis 2021 etwa 1.500 Waffenscheine von Reichsbürgern eingezogen.