Die EU hat sich grundsätzlich auf eine visafreie Einreise für die Bürger des Kosovo geeinigt. Wie das EU-Parlament und der Europäische Rat am Mittwoch mitteilten, soll es Kosovaren spätestens ab Anfang 2024 möglich sein, sich zweimal pro Jahr 90 Tage lang ohne Visum in den EU-Mitgliedstaaten aufzuhalten. Der Kosovo ist das einzige der sechs Westbalkan-Ländern, das bisher nicht von einer EU-weiten Befreiung von der Visumspflicht profitiert.

Die Einigung vom Mittwoch muss noch einmal vom Parlament und den EU-Staaten bestätigt werden, was als Formalie gilt. Der niederländische Europaabgeordnete Thijs Reuten, der das Team des EU-Parlaments bei den Verhandlungen über die neuen Einreiseregeln leitete, sprach von einem "sehr wichtigen Moment" für die "europäische Zukunft" des Kosovo.

Ebenfalls am Mittwoch hatte der Kosovo offiziell einen Antrag auf Mitgliedschaft in der EU gestellt. Formell hat das Land lediglich eine "EU-Beitrittsperspektive". Haupthindernis bei der EU-Annäherung ist, dass fünf EU-Mitgliedsländer - Spanien, Rumänien, die Slowakei, Griechenland und Zypern - den Kosovo nicht als unabhängigen Staat anerkennen.

2008 Unabhängigkeit von Serbien erklärt

Der Kosovo hatte im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, wird aber von Belgrad bis heute als abtrünniges Gebiet betrachtet.

Derzeit gelten sieben Länder insgesamt als EU-Beitrittskandidaten: die Türkei, die Ukraine und Moldau - sowie auf dem Westbalkan Nordmazedonien, Montenegro, Serbien und Albanien. Beim EU-Gipfel am Donnerstag soll Bosnien-Herzegowina dazukommen. Bis zu einer Aufnahme aller Länder können aber noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vergehen. (afp/dpa)