Wegen landesweiter Streiks fahren in Großbritannien zu Weihnachten so gut wie keine Züge. Traditionell gibt es am ersten Weihnachtsfeiertag keinen Bahnverkehr. Wie der Streckenbetreiber Network Rail mitteilte, werden wegen des Ausstands der Gewerkschaft RMT aber auch am zweiten Weihnachtsfeiertag keine Züge rollen. Der Streik trifft auch die Zugverbindungen zu den Londoner Flughäfen Heathrow und Stansted.

Die RMT forderte deutliche Lohnerhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen. Das lehnen die Bahnanbieter mit Unterstützung der konservativen Regierung ab.

Staus auf den Straßen erwartet

Streikende Postbeschäftigte. 
- © REUTERS, Melville

Streikende Postbeschäftigte.

- © REUTERS, Melville

Der 26. Dezember, der sogenannte Boxing Day, ist eigentlich einer der geschäftigsten Tage im britischen Schienennetz, da zahlreiche Menschen von Besuchen bei Verwandten nach Hause reisen. Der Ausstand endet am Dienstagmorgen. Aber auch danach könnten Verbindungen ausfallen, warnte Network Rail in der Nacht zum Sonntag. Vielerorts würden die ersten Züge deutlich später fahren als gewöhnlich.

Wegen des Streiks werden lange Staus auf den Straßen erwartet. Der Autofahrerverband AA rechnet damit, dass am zweiten Weihnachtsfeiertag insgesamt mehr als 15 Millionen Autos unterwegs sein werden. Fernbusanbieter berichteten von stark gestiegener Nachfrage.

Streiks auch bei der Post

Auch die Beschäftigten der Royal Mail haben seit Wochen immer wieder die Arbeit niederlegen, zahlreiche Menschen keine Weihnachtspost oder Päckchen erhalten. Streiks bei den Grenzbeamten erschweren außerdem Verwandtenbesuche. Auch in vielen anderen Branchen kommt es derzeit immer wieder zu Streiks, etwa im Gesundheitsdienst.

Statt Weihnachtsansprache

Angesichts der Streikwelle hat Premierminister Rishi Sunak auf die traditionelle Weihnachtsansprache verzichtet. Stattdessen habe er mehrere Regierungsmitarbeiter mit persönlichen Anrufen überrascht, teilte Downing Street mit. Sunak twitterte am Samstag: "An alle Briten, die über Weihnachten arbeiten - danke. Ob Sie in Mogadischu oder Milton Keynes sind, ich bin Ihnen für Ihren Einsatz persönlich dankbar."

Nach Ansicht von Kommentatoren wollte Sunak damit deutlich machen, welch großen Wert er dem Öffentlichen Dienst beimisst. Die Gewerkschaften werfen der Regierung vor, angemessene Lohnsteigerungen zu verweigern.

Sunak telefonierte nach Regierungsangaben mit Diplomaten in Somalia, Pakistan und in der Ukraine sowie mit dem Chef einer staatlich geförderten Wohltätigkeitsorganisation in London. Außerdem rief er die Besatzung des Eisbrechers "HMS Protector" an, die derzeit rund um die Südlichen Sandwichinseln nahe der Antarktis im Einsatz ist und dort unter anderem Wissenschafter mit Nachschub versorgt.

Sunak ist seit Oktober im Amt. Sein erstes Weihnachten als Premierminister wollte der 42-Jährige in seinem Wahlkreis Richmond in der nordenglischen Grafschaft North Yorkshire verbringen. (apa, reuters)