Die Ukraine greift weiter Ziele in Russland an - auch solche, die hunderte Kilometer hinter der Grenze liegen. So ist es auf dem Luftwaffenstützpunkt Engels in der Region Saratow russischen Medien zufolge zu mindestens einer Explosion gekommen, drei Menschen sollen getötet worden sein. Die Nachrichtenagentur BBC Ukraine berichtete sogar von zwei Explosionen.

Laut Moskau wurde eine ukrainische Drohne abgeschossen und dabei sollen drei russische Soldaten von den herabfallenden Trümmern getötet worden sein. Es war das bereits der zweite Angriff auf den Stützpunkt in diesem Monat, der erste erfolgte am 5. Dezember. Engels ist einer von zwei Stützpunkten der strategischen Nuklearstreitkräfte, er befindet sich etwa 730 Kilometer südöstlich von Moskau.

Die Explosionen versetzen der Führung in Moskau einen schweren Imageschaden und werfen laut Militäranalysten die Frage auf, warum die russische Abwehr versagt hat. Die Ukraine hat sich bis zum heutigen Tag nie öffentlich zu Angriffen innerhalb Russlands bekannt, hat aber gesagt, dass solche Vorfälle "Karma" für die russische Invasion seien.

Russische Bombardements

Unterdessen meinte der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew, nur Russlands Atommacht halte den Westen von einer Kriegserklärung ab. "Das Einzige, was unsere Feinde heute aufhält, ist die Einsicht, dass Russland sich von den Grundsätzen der staatlichen Politik (. . .) der nuklearen Abschreckung leiten lassen wird. Und im Falle einer realen Bedrohung wird es danach handeln", so Medwedew in einem Artikel im russischen Amtsblatt Rossijskaja. Der Westen schwanke zwischen dem "brennenden Wunsch, Russland so weit wie möglich zu demütigen, zu beleidigen, zu zerstückeln und zu vernichten, und dem Wunsch, eine nukleare Apokalypse zu vermeiden", so Medwedew.

Vor dem jüngsten Angriff auf den russischen Stützpunkt hat Russland seinerseits zahlreiche Städte in der Ukraine bombardiert. Moskau habe am ersten Weihnachtsfeiertag mehr als zehn Raketenangriffe gestartet, mehr als 25 Städte entlang der Frontlinie Kupiansk-Lyman beschossen und in der Region Saporischschja fast 20 Städte getroffen, so die ukrainische Militärführung.

Britische Geheimdienste, die seit Beginn die Schwächen der russischen Kriegsführung offenlegen, haben jetzt ihre Mängelliste erweitert. Demnach fehlt es Russland an geeignetem Personal zur Verteidigung seiner in der Ukraine gelegten Minenfelder. Die russischen Streitkräfte hätten sich in den vergangenen Monaten auf vielen Abschnitten entlang der Frontlinie auf den Ausbau ihrer Verteidigungsstellungen mit Panzerabwehrminen und Antipersonenminen konzentriert, heißt es in einem Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums. Die Briten weisen darauf hin, dass derartige Minenfelder für professionelle Truppen nur dann eine Hürde seien, wenn sie durch entsprechende Überwachung und Beschuss geschützt sind. Da es den Russen jedoch an ausgebildetem Personal und geeigneten Mitteln mangele, liege darin mutmaßlich eine große Herausforderung für Moskau.

Zuvor hatte Präsident Wladimir Putin vollmundig behauptet, dass sein Land zu Verhandlungen mit allen im Ukraine-Konflikt beteiligten Parteien bereit sei. Allerdings hätten die Führung in Kiew und ihre westlichen Unterstützer Gespräche verweigert. Dem widersprach die Ukraine umgehend: "Russland hat die Ukraine im Alleingang angegriffen und tötet Bürger", so Mychailo Podoljak, der Berater des ukrainischen Präsidenten auf Twitter. "Russland will keine Verhandlungen, sondern versucht, sich der Verantwortung zu entziehen."

Kein Verhandlungswille

Auch der Direktor der CIA, William Burns, hatte sich unlängst in einem ausführlichen Interview skeptisch über die russische Gesprächsbereitschaft geäußert. Obwohl die meisten Konflikte durch Verhandlungen beendet würden, sei man im US-Geheimdienst überzeugt, dass Russland wirkliche Gespräche zur Beendigung des Krieges noch nicht ernst meine, so Burns.

Putin rechtfertigte zuletzt die seit zehn Monaten andauernde Offensive auch mit dem Konzept des "historischen Russlands", wonach Ukrainer und Russen ein Volk seien. "Der Kern des Ganzen ist die Politik unserer geopolitischen Gegner, die darauf abzielt, Russland, das historische Russland, zu zerreißen", so Putin.

Unterdessen hat die russische Armee ihre Angriffe gegen die Frontstadt Bachmut im Osten der Ukraine intensiviert. Dabei seien den Angreifern "systematische schwere Verluste" zugefügt worden, so Serhij Tscherwatko, Sprecher der ukrainischen Heeresgruppe Ost. Allein seit Samstag wären mindestens 50 russische Soldaten getötet und weitere 80 verwundet worden. Die Angaben ließen sich unabhängig nicht überprüfen.

Zur Festung ausgebaut

Die Stadt Bachmut gilt als Eckpfeiler der Front im Osten der Ukraine. Ein Durchbruch an dieser Stelle würde den russischen Truppen ein Vordringen tief ins Hinterland der ukrainischen Linien ermöglichen. Die Stadt ist mittlerweile von den Verteidigern zur Festung ausgebaut worden. Russland hat seinerseits in den vergangenen Tagen Verstärkung, auch an Technik und Munition, nach Bachmut gebracht.

Nach den Worten des Verwaltungschefs der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, scheiterten neben den regulären russischen Truppen auch Söldner der sogenannten "Wagner"-Truppe sowie tschetschenische Kämpfer von Republikchef Ramsan Kadyrow bei ihren Angriffen auf Bachmut. "Sie wollen dem Bunker-Opa (Kremlchef Wladimir Putin, Anm.) zeigen, was sie können", sagte er auf Telegram. "Bisher aber verlieren sie nur tausende Soldaten, die für immer dort liegen bleiben."(red.)