Zum orthodoxen Weihnachtsfest will Russland eine Feuerpause in der Ukraine anordnen - gemäß dem Appell des russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill. Die Waffen sollten von Freitag, 12 Uhr, bis Samstag, 24 Uhr, ruhen, teilte der Kreml laut Nachrichtenagentur Interfax mit. Das Verteidigungsministerium sei angewiesen worden, die Kampfhandlungen im Nachbarland in dieser Zeit einzustellen.

Die Ukraine lehnt eine Waffenruhe jedoch ab. Davor müssten die russischen Truppen das Land verlassen, erklärte ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Die Ankündigung aus Moskau sei "Heuchelei". US-Präsident Joe Biden wertete die von Putin angeordnete Waffenruhe in Washington als Versuch Moskaus, sich eine Atempause zu verschaffen

Zuvor telefonierte der russische Präsident Wladimir Putin mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan und machte erneut eine Anerkennung der russischen Eroberungen in der Ukraine zur Bedingung von Verhandlungen mit der Regierung in Kiew. So hieß es aus Moskau: "Wladimir Putin hat erneut die Bereitschaft Russlands zum ernsthaften Dialog betont - unter der Bedingung, dass die Obrigkeit in Kiew die bekannten und mehrfach öffentlich gemachten Forderungen erfüllt und unter Berücksichtigung der neuen territorialen Realität." Die Ukraine lehnt dies ab.

Ihrerseits meldete die Ukraine massive Verluste für Russland. Allein am Mittwoch seien 800 russische Soldaten ums Leben gekommen. Die meisten seien bei Kämpfen in der Region Donezk im Osten getötet worden, teilte das ukrainische Militär Donnerstag in seinem täglichen Bericht mit. 

Waffen aus Deutschland und USA

Unterdessen wurde weitere Waffenunterstützung aus dem Westen für die Ukraine angekündigt - auch aus Deutschland, das bisher zögerlich war. So hatte die Ukraine Interesse an dem deutschen Kampfpanzer Leopard, doch Berlin hatte die Wünsche zunächst zurückgewiesen. Aber am Donnerstag verkündete Deutschland, Marder-Panzer und ein Patriot-Raketenabwehrsystem zur Verfügung zu stellen. Die USA werden der Regierung in Kiew zudem leichte Bradley-Schützenpanzer und wie angedacht Patriot-Systeme liefern. Das vereinbarten der deutsche Kanzler Olaf Scholz und US-Präsident Biden in einem Telefonat. Beide Regierungen wollen sich zudem um die Ausbildung ukrainischer Soldaten an den jeweiligen Waffensystemen kümmern.

Tags zuvor hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron seinem Amtskollegen Selenskyj in einem Telefonat Spähpanzer zugesagt. Selenskyj dankte Macron für seine Zusage und betonte, wie wichtig es sei, dass die Ukraine mit schwereren Waffen ausgestattet werde: "Das sendet ein klares Signal an alle unsere Verbündeten. Es gibt keinen rationalen Grund, warum die Ukraine bisher nicht mit Panzern aus dem Westen beliefert wurde."

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warnte unterdessen davor, Russland und die Ambitionen von Präsident Putin zu unterschätzen. Er ortet nämlich eine "große Toleranz, Verluste und Leid zu ertragen". Es gebe keine Anzeichen, dass Putin seine Pläne oder Ziele in der Ukraine geändert habe, meinte Stoltenberg bei einer Wirtschaftskonferenz in Norwegen: "Es ist gefährlich, Russland zu unterschätzen." (reu/dpa/apa)