Russische Truppen haben am Dienstag ihren Angriff auf die ostukrainische Stadt Soledar verstärkt. Das britische Verteidigungsministerium teilte mit, dass die russische Armee und Söldner der sogenannten Wagner-Truppe nach den Vorstößen der vergangenen vier Tage nun wahrscheinlich den größten Teil der kleinen Salzabbaustadt unter Kontrolle hätten. Soledar in der ostukrainischen Industrieregion Donbas liegt nur wenige Kilometer von der strategisch wichtigen Stadt Bachmut entfernt. Dort liefern sich russische und ukrainische Truppen heftige Kämpfe mit offenbar großen Verlusten auf beiden Seiten.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in seiner nächtlichen Videoansprache zu Dienstag, dass Bachmut und Soledar trotz weitreichender Zerstörungen weiter verteidigt würden. Er verwies auf heftigere Angriffe in Soledar, wo nach seinen Worten keine Mauern mehr stehen sollen und das Land mit russischen Leichen übersät sei. "Dank der Widerstandsfähigkeit unserer Soldaten in Soledar haben wir für die Ukraine zusätzliche Zeit und zusätzliche Kraft gewonnen", sagte Selenskyj. Er erklärte nicht, was er mit dem Gewinn an Zeit oder Stärke meinte. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Meldungen über die Gefechte nicht sofort verifizieren.

Russlands Angriff auf Soledar sei höchstwahrscheinlich ein Versuch, Bachmut von Norden her einzuschließen und ukrainische Verbindungswege zu unterbrechen, teilte das britische Verteidigungsministerium mit. Weil die Kämpfe sehr verlustreich sind, setzt Russland in der Region offenbar viele Söldner der Wagner-Einheiten ein, die Personal auch in russischen Gefängnissen rekrutiert hatte. Die Söldner-Organisation wurde von dem Unternehmer Jewgeni Prigoschin gegründet, einem Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

"Im Kampf mit der Nato"

Der Sekretär des russischen Nationalen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, sieht sein Land in der Ukraine jetzt im Kampf mit der Nato. Zudem versuche der Westen, Russland auseinanderzureißen, sagte Patruschew der Zeitung "Argumenti i Fakti". "Die Ereignisse in der Ukraine sind kein Zusammenstoß zwischen Moskau und Kiew. Dies ist eine militärische Konfrontation zwischen Russland und der Nato und dabei vor allem den Vereinigten Staaten und Großbritannien." Die Pläne des Westens seien es, Russland weiter auseinanderzuziehen und es schließlich von der politischen Weltkarte zu löschen. Patruschew war wie Putin früher Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB. Die beiden kennen sich seit den 70er Jahren. Patruschew gilt als Hardliner und einer der wenigen, die den Präsidenten beeinflussen können.

US-Präsident Joe Biden und Kanzler Olaf Scholz betonen stets, dass man die Ukraine gegen die russischen Angriffe auch militärisch unterstütze, die Nato aber keine Konfliktpartei in dem Krieg sei. So sind etwa keine Soldaten aus Nato-Staaten in der Ukraine stationiert.

Weitere Waffenlieferungen

Nach der Zusage der Lieferung von Schützenpanzern aus den USA und Deutschland sowie Spähpanzern aus Frankreich hatte Scholz am Montagabend erneut betont, dass weitere Lieferungen weiter sehr eng vor allem mit den USA abgestimmt würden. Vor allem aus der Union, aber auch aus den Ampel-Parteien Grüne und FDP gibt es Forderungen, dass Deutschland der Ukraine Leopard-2-Kampfpanzer liefern solle.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu kündigte am Dienstag an, dass Russland seine atomare Bewaffnung mit ballistischen Raketen, U-Booten und strategischen Bombern weiter ausbauen werde, weil diese Waffen die wichtigste Garantie für die Souveränität des Landes seien. "Wir werden auch die Kampffähigkeiten der Luft- und Raumfahrtkräfte erhöhen", sagte er mit Blick auf die verbesserte Luftabwehrfähigkeiten der Ukraine durch die Lieferung moderner westlicher Systeme. (reuters)