Kiew. Nach schweren Kämpfen dürfte Russland weitgehend die Kontrolle über Soledar im Osten der Ukraine erlangt haben. Ein ukrainischer Militärsprecher dementierte am Freitag zwar umgehend die vom Verteidigungsministerium in Moskau verkündete Einnahme, doch auf diversen Telegram-Kanäle kursierten bereits Videos und Fotos, die die Präsenz russischer Truppen im Zentrum von Soledar belegen.

Schon seit Wochen ist die berüchtigte Söldner-Gruppe Wagner in der für ihre Salzminen bekannten Kleinstadt unter hohem Blutzoll gegen die ukrainischen Stellungen angerannt, um dann von Süden kommend weiter in Richtung Bachmut vorstoßen zu können. Auf diese Weise hoffen die Russen dann auch die vor dem Krieg 100.000 Einwohner zählende Stadt einkreisen zu können.

Eine Eroberung von Bachmut wäre vor allem symbolisch bedeutsam. Nach den erfolgreichen ukrainischen Gegenoffensiven in den Regionen Charkiw und Cherson ist die Gegend um Bachmut der einzige Bereich, in dem die Russen derzeit noch in der Offensive sind. Den raren militärischen Erfolg würde vor allem Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin für sich reklamieren. Schon seit Wochen streicht der 61-Jährige, der als Putins Koch und Besitzer zahlreicher Troll-Fabriken bekannt wurde, die Rolle seiner Söldner beim Kampf und Bachmut und Soledar heraus, die ihre Geländegewinne ohne die Unterstützung der regulären russischen Truppen erzielen würden.

Selenskyj: "Es wird weitergekämpft

Prigoschins Armee agiert schon seit längerem wie eine eigene Machtstruktur in Russland, mit den militärischen Erfolgen ist aber auch das politische Gewicht des Wagner-Chefs gewachsen. Viele Beobachter werten daher die am Mittwoch verkündete Einsetzung von Generalstabschef Waleri Gerassimow als neuer Oberbefehlshaber in der Ukraine auch als Versuch, Prigoschin stärker einzuhegen.

Noch will die Führung in Kiew Bachmut aber nicht aufgeben. Außerhalb von Soledar haben sich ukrainische Soldaten in winterlichen Wäldern in Schützengräben eingegraben, Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte zudem an Verstärkungen in die umkämpfte Donbass-Stadt schicken zu wollen. "Wir unternehmen alles, um die ukrainische Verteidigung zu stärken", sagte Selenskyj und betonte, dass die ukrainischen dort weiter gegen die russischen Truppen kämpfen würden. (rs)