Nach den neuen russischen Raketenangriffen auf die Ukraine mit Toten und Verletzten in der ukrainischen Großstadt Dnipro hat die Führung des angegriffenen Landes mehr Waffen vom Westen gefordert. Der Terror lasse sich mit westlichen Waffen stoppen, auf die die ukrainische Armee warte, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Samstag in seiner allabendlichen Videobotschaft. Nach dem Angriff auf einen Wohnblock in Dnipro sprechen die Behörden mittlerweile von 30 Toten.

Nach offiziellen Angaben wurden mehr als 70 Menschen - auch Kinder - verletzt aus den Trümmern des teils eingestürzten Hochhauses gerettet, ein Dutzend davon befindet sich ernstem Zustand. Die Suche nach rund 40 Vermissten dauert an.

Nach offiziellen Angaben wurden mehr als 230 Wohnungen in dem Gebäude beschädigt, 72 Wohnungen wurden bei dem Angriff am Samstag komplett zerstört. Etwa 3.450 Tonnen Schutt und 39 beschädigte Autos wurden vom Schauplatz entfernt. Psychologen arbeiten mit den Menschen, Freiwillige helfen den Betroffenen, sich zu wärmen und zu verpflegen.

Die Präsidialverwaltung in Kiew veröffentliche Aufnahmen von dem in Trümmern liegenden Gebäude. Der Leiter des Präsidialamts, Andrij Jermak, zeigte sich entsetzt: "Russen sind Terroristen, die bestraft werden für alles. Alle - ohne Ausnahme." Er sagte, dass die Flugabwehr und Luftstreitkräfte ihre Arbeit erledigten. "Wir werden zurückschlagen." Der Feind ändere seine Taktik nicht und setze seine Schläge gegen die zivile Infrastruktur fort.

Dank an Großbritannien

In seiner Videoansprache hatte Selenskyj Großbritannien gedankt, das als erstes Land westliche Kampfpanzer an die Ukraine liefern will. Das sei ein Signal für andere Partner der Ukraine, ebenso zu handeln. Großbritannien will der Ukraine in den kommenden Wochen 14 Kampfpanzer vom Typ Challenger 2 zur Abwehr der russischen Angreifer zur Verfügung stellen.

Die Ukraine hat bisher keine Kampfpanzer westlicher Bauart geliefert bekommen, sondern nur sowjetische Modelle aus dem Bestand osteuropäischer Nato-Länder. Kiew fordert seit langem die Lieferung des deutschen Panzers Leopard 2, der den russischen Panzern technisch überlegen ist. Polen und Finnland haben sich bereit erklärt, im europäischen Verbund Leopard-Panzer zu liefern. Die deutsche Bundesregierung hat sich noch nicht dazu positioniert.

Am Freitag kommender Woche werden die Verteidigungsminister der westlichen Verbündeten der Ukraine auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz über weitere militärische Unterstützung für das Land beraten. Vor den Verhandlungen forderte der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev die Bundesregierung eindringlich auf, schnell Leopard-2-Panzer an sein Land zu liefern. "Deutsche Waffen, deutsche Panzer sind überlebenswichtig", sagte er im dpa-Interview. "Zum Diskutieren haben wir sehr wenig Zeit. Und wir erwarten, dass unsere Verbündeten das auch verstehen und richtig handeln."

Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall wies allerdings darauf hin, dass eine Lieferung instandgesetzter Leopard-Kampfpanzer aus seinen Beständen Zeit brauche. "Selbst wenn morgen die Entscheidung fällt, dass wir unsere Leopard-Panzer nach Kiew schicken dürfen, dauert die Lieferung bis Anfang nächsten Jahres", sagte Vorstandschef Armin Papperger der "Bild am Sonntag". Rheinmetall verfügt über 22 Fahrzeuge vom Leopard 2 und über 88 Exemplare des älteren Modells Leopard 1. (dpa)