Berlin. Die Erwartungen an das Treffen sind hoch gewesen. Nachdem Deutschland, Frankreich und die USA sich bereits vor zwei Wochen dazu entschlossen hatten, dutzende moderne Schützen- und Spähpanzer in die Ukraine zu schicken, hatte die Regierung in Kiew darauf gehofft, dass es beim Treffen der Ukraine-Unterstützer auf der US-Luftwaffenbasis Ramstein auch grünes Licht für die deutschen Leopard-Kampfpanzer geben wird.

Doch der massive Druck aus Polen, Finnland und den baltischen Staaten, die lieber heute als morgen ihre Leopard-Modelle in die Ukraine entsenden würden, hat am Freitag nur für wenig Bewegung gesorgt. "Es gibt kein einheitliches Meinungsbild", sagte der neue deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius am Freitag am Rande der Beratungen in Rheinland-Pfalz. Der Eindruck, dass es eine geschlossene Koalition gebe und Deutschland im Weg stehe, sei falsch. Auch wenn sie selbst keine eigenen Panzer liefern will, muss die Regierung in Berlin den Export aus Drittländern genehmigen.

"Es gibt gute Gründe für die Lieferung, es gibt gute Gründe dagegen", sagte Pistorius. Allerdings habe er seinem Ministerium einen Auftrag erteilt, um den Bestand von Leopard-2-Panzern bei der Bundeswehr und in der Industrie zu prüfen. Damit wolle er bereit sein zu handeln, falls eine Entscheidung falle. "Wir bereiten uns vor für den Fall der Fälle", sagte Pistorius. Die Situation in der Ukraine sei "außerordentlich dramatisch", und es sei davon auszugehen, dass sie sich über Monate nicht ändern werde.

Zuvor hatte es geheißen, Berlin mache eine Lieferung davon abhängig, ob die USA ihrerseits der Ukraine Abrams-Kampfpanzer zur Verfügung stellen - was von Washington abgelehnt wird. Pistorius dementierte am Donnerstagabend im ARD allerdings eine Junktimierung.

Neue Hilfe aus den USA

Zu Beginn des Treffens der Verteidigungsminister von rund 50 Staaten mahnte Gastgeber und US-Ressortchef Lloyd Austin die westlichen Alliierten, in ihrer Unterstützung für die Ukraine jetzt nicht nachzulassen. "Das ist nicht der Moment sich zurückzulehnen." Es sei vielmehr an der Zeit, die Militärhilfen zu verstärken. Austin sprach von einem "entscheidenden Moment für die Ukraine in einem "entscheidenden Jahrzehnt für die Welt".

Erster Redner nach Austin war der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich in einer Video-Botschaft erstmals direkt an die Kontaktgruppe wandte. Er forderte die Unterstützer zu weiteren Waffenlieferungen einschließlich Kampfpanzern auf. "Wir müssen schnell handeln", sagte Selenskyj. "Der Kreml muss verlieren."

Austin verwies in Ramstein auf ein neues US-Hilfspaket für die ukrainischen Streitkräfte im Volumen von 2,5 Milliarden Dollar, das auch die Lieferung von 59 Schützenpanzern des Typs Bradley umfasst. Die US-Hilfen an die Ukraine summierten sich damit auf insgesamt mehr als 26,7 Milliarden Dollar. Auch Finnland kündigte ein neues Hilfspaket an. Es handelt sich um die zwölfte Lieferung, mit der das Land die Ukraine bei der Verteidigung gegen den russischen Angriff unterstützt. Das neue Paket ist mehr als doppelt so viel wert wie alle elf vorherigen zusammen.