Seitdem eine Serie von sechs stark explosiven Sendungen mit "pyrotechnischem" Inhalt in Spanien verschickt wurde, sind die Behörden alarmiert. Zwar konnten sie fünf Briefbomben angefangen, eine explodierte jedoch am Mittag des 30. Novembers des vergangenen Jahres, als ein Mitarbeiter der ukrainischen Vertretung die Post für Botschafter Serhii Pohoreltsev sortierte. Der ukrainische Botschaftsangehörige erlitt beim Öffnen eine Verletzung an einem Finger der rechten Hand.

Neben der ukrainischen Botschaft waren auch die US-Botschaft, das spanische Verteidigungsministerium sowie Residenz und Büro von Ministerpräsident Pedro Sanchez Ziele der Anschläge. Bei den Anschlägen, die von US-Behörden als terroristisch eingestuft werden, wurde niemand getötet.

Die Spur der Taten führt die Ermittler nun nach Russland. US-amerikanische und europäische Behörden vermuten, dass Mitglieder des russischen Militärgeheimdienstes Initiatoren der Briefbombenserie sind. Diese sollen die militante Organisation "Russische Reichsbewegung" (RIM) angewiesen haben, die Aktionen in Spanien durchzuführen, berichtet die "New York Times" mit Verweis auf US-Beamte.

Briefbomben als Warnsignal

Bei RIM handelt es sich um ein rechtsradikales Netzwerk, dessen Mitglieder von der Wiederauferstehung des Zarenreiches träumen. Vom US-Außenministerium wird die europaweit aktive Bewegung, die in Syrien und Libyen an russischer Seite kämpft, als terroristische Organisation eingestuft. Die Ausbildung der Mitglieder erfolgt in St. Petersburg, wo die Gruppe mehrere militärähnliche Trainingszentren unterhalten soll. Auch im Krieg in der Ukraine sollen Angehörige der Russischen Reichsbewegung bereits gekämpft haben.

Für Nathan Sales, dem Koordinator für Terrorismusbekämpfung des Außenministeriums der Trump-Regierung, ist die Briefbombenserie ein "Warnschuss". "Russland sendet damit das Signal, dass es bereit ist, terroristische Stellvertreter einzusetzen, um Anschläge im Westen zu verüben", sagte er der "New York Times". Moskau wolle demonstrieren, dass es sogar in Nato-Staaten, welche die Ukraine im Krieg gegen Russland unterstützen, imstande sei, Anschläge zu verüben, warnen US-Beamte. Spanien ist Mitglied des Militärbündnisses und unterstützt die Ukraine mit militärischem Gerät.

Gleichzeitig gäbe es im Moment keine Hinweise darauf, dass Moskau umfangreiche verdeckte Operationen in Europa plane. Präsident Putins Kalkül in Bezug auf terroristische Angriffe könnte sich allerdings ändern, wenn der Krieg in der Ukraine wie bisher schleppend vorangeht und Russland weiterhin Rückschläge erleidet, warnen US-Beamten. (dkw)