Selbst die Berliner Polizei hat sich im Sprachgebrauch dem hohen Besuch angepasst. Von "königlichem Wetter" sprach sie am Mittwochnachmittag. Und dieses Wetter war auch eine gute Nachricht für die hunderten Schaulustigen, die gekommen waren, um den britischen König Charles III. bei seinem Deutschland-Besuch mit eigenen Augen zu sehen.

Allein, dass die Begrüßung mit militärischen Ehren am Brandenburger Tor angesetzt war, zeigt, welch hohe Bedeutung diesem Besuch zugemessen wird. Charles III. und seine Ehefrau Camilla sind nämlich die ersten Staatsgäste, denen diese Ehre zuteil wird. Für gewöhnlich finden derartige Begrüßungen im Garten von Schloss Bellevue, dem Amtssitz des deutschen Präsidenten Frank-Walter Steinmeier, statt.

Und generell ist es ein Besuch voller Symbolik, der die engen Bindungen zwischen Großbritannien und Deutschland unterstreichen soll. Da wegen der Proteste gegen die Pensionsreform die Reise nach Frankreich ins Wasser fiel, war die erste Auslandsreise von Charles seit seiner Ernennung zum König "eine großartige persönliche Geste" und "zugleich ein wichtiges Zeichen für die deutsch-britischen Beziehungen", sagte Steinmeier.

Die "Wirren der Trennung" sollen vorbei sein

Zudem wird Charles als erster Monarch überhaupt eine Rede im Bundestag halten. Dass dies ausgerechnet Ende März der Fall sein wird, gibt dem Auftritt des 74-Jährigen noch einmal eine besondere Bedeutung. Schließlich hat die britische Regierung am 29. März 2017 den Europäischen Rat darüber informiert, dass sie den Brexit einleitet. Mit dem Besuch von Charles will man nun die "Wirren der Trennung" hinter sich lassen, hieß es bereits im Vorfeld aus dem deutschen Bundespräsidialamt.

Charles kommt dabei nicht nur als König, sondern auch als Botschafter von Großbritanniens Premier Rishi Sunak. Dieser will nach den Jahren des Krawalls unter Boris Johnson nun wieder engere, stärkere Beziehungen zur Europäischen Union knüpfen. Und im Vordergrund steht dabei für die britische Regierung die deutsch-französische Achse.

Wobei deutsche Vertreter mittlerweile betonen, dass man durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine wieder enger zusammengerückt ist. Steinmeier weist immer wieder darauf hin, dass Deutschland und Großbritannien in Europa die größten militärischen Unterstützer des überfallenen Landes seien. Auch das spiegelt der Besuch von Charles wider: Er wird gemeinsam mit Steinmeier am Donnerstag in Finowfurt nördlich von Berlin Soldatinnen und Soldaten des deutsch-britischen Pionierbrückenbataillons 130 besuchen.

Gedenken an die Opfer
des NS-Regimes

Steht dieser Programmpunkt für die Gegenwart, so folgt am dritten Tag ein Blick in die - dunkle - Vergangenheit. Am Freitag wird Charles in Hamburg das Denkmal "Kindertransport - der letzte Abschied" besuchen.

Anschließend will Charles an der Ruine von St. Nikolai einen Kranz niederlegen. Die im Zweiten Weltkrieg im alliierten Bombenhagel weitgehend zerstörte Kirche ist heute Hamburgs zentrale Gedenkstätte für die Opfer des NS-Regimes.(klh/dpa)