Ankara/Nikosia. (czar) Es wird mit viel Pomp gefeiert werden. Mit Paraden, Ansprachen, Blumen und Fahnen. Die einen werden der "Befreiung" gedenken, die anderen an die "Besetzung" erinnert. Wenn der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan am heutigen Mittwoch zum Jahrestag des Einmarsches der türkischen Truppen nach Zypern fährt, wird er nur im Norden der Insel bejubelt werden. Die griechischen Zyprioten im Süden fordern nämlich seit langem einen Abzug der türkischen Armee, die sie schlicht als Okkupationsmacht betrachten.

Ankara wiederum wünscht sich, dass die internationale Isolation Nordzyperns beendet wird. Zwar laufen derzeit Gespräche zwischen Vertretern der griechischen und türkischen Zyprioten, doch eine Wiedervereinigung der Insel ist nicht in Sicht.

Und das werde nun Konsequenzen für das Verhältnis zwischen der Türkei und der EU haben, drohte Erdogan. Es werde nämlich im kommenden Halbjahr für sechs Monate gar keine Beziehungen zwischen den beiden geben, erklärte der Premier der Zeitung "Milliyet" im Vorfeld seines Zypern-Besuches. Grund: 2012 übernimmt Zypern nach Dänemark für ein halbes Jahr den EU-Vorsitz. In dieser Zeit werde die Türkei die Beitrittsverhandlungen mit der EU einfrieren, sollte es bis dahin keine Lösung für die geteilte Insel geben.

Dass dies bis jetzt nicht gelungen ist, hat aber auch die Türkei selbst mitzutragen. Ankara weigert sich, Häfen und Flughäfen für Schiffe sowie Flugzeuge aus der Republik Zypern zu öffnen. Deswegen hat die EU auch bereits einige Verhandlungskapitel eingefroren. Die Beitrittsgespräche sind so fast bis zu einem Stillstand gekommen. Daran konnte auch bisher das jeweilige EU-Vorsitzland kaum etwas ändern.