Warschau/Prag. (hes/ag) Die Euphorie im Klub der Euro-Aspiranten ist deutlich gedämpft. Zwar haben sich sowohl Polen als auch Tschechien mit dem EU-Beitritt verpflichtet, der Währungsunion beizutreten. Eilig haben sie es damit aber nicht - mit der ungelösten Schuldenkrise der Eurozone rücken die Beitrittstermine in weite Ferne.

Mit besonders drastischen Worten warnte Polens Finanzminister Jacek Rostowski vor einem Zerfall der Eurozone, sollten die politischen Führungen die Krise nicht entschlossen bekämpfen. "Die europäischen Eliten, darunter die deutschen, müssen entscheiden, ob sie wollen, dass der Euro fortbesteht, selbst zu einem höheren Preis, oder nicht", sagte Rostowski zur polnischen Zeitung "Gazeta Wyborcza".

"Wenn nicht, müssen wir uns auf eine kontrollierte Auflösung der Eurozone vorbereiten, mit all ihren Konsequenzen, Deutschland eingeschlossen", fügte er hinzu. Es gebe nur zwei Optionen - "mehr makroökonomische Integration der Eurozone oder ihr Zerfall". Der Minister warnte vor zwei Arten von "gefährlichem Populismus": Es sei irrational, wenn Südeuropäer es ablehnen, Verantwortung für Probleme zu übernehmen - als Beispiel nannte er die heftigen Proteste gegen die Sparpläne in Griechenland. Im Norden herrsche hingegen "Egoismus und das Fehlen von Solidarität mit Ländern, die Probleme haben".

Polen lässt offen, wann es die Gemeinschaftswährung einführt. Bis 2015 will es die Kriterien des Maastricht-Vertrages erfüllen.

Tschechen kritisieren Stillstand der Politik

Die Eurozone sei heute nicht mehr das, was sie gewesen sei, als sich Tschechien zur Euro-Einführung verpflichtet hatte, sagte Tschechiens Premier Petr Necas am Montag: "Wir waren mit dem Beitritt zu einer Währungsunion einverstanden, nicht aber zu einer Transfer- und Schuldenunion." Er sieht die Euro-Krise "tief im Wesen der gemeinsamen Währung verwurzelt". Gleichzeitig kritisierte er die EU-Reaktionen und sprach von einem "unsicheren Auf-der-Stelle-Treten" und der Suche nach kurzfristigen Lösungen in Form von Rettungspaketen, welche "die Probleme nur verschieben und ihre Kosten immer wieder erhöhen". Die effektivste Lösung wäre laut Necas "entweder ein schneller Rückschritt oder ein schneller Schritt nach vorne - in die Wirtschaftsintegration". Weder das eine noch das andere scheine aber derzeit gewollt zu sein.

"Man sieht, dass es sich beim Euro-Beitritt doch um Opfer handelt. Es reicht, sich unseren östlichen Nachbarn anzuschauen", sagte Necas mit Blick auf die slowakische Beteiligung am milliardenschweren Rettungspaket für Athen.

Balten: Positives Urteil über Währungsunion

Unter den baltischen Staaten ist nur Estland seit 2011 Euro-Mitglied. Die Nachbarn Lettland und Litauen, deren Wirtschaft und Währung von der Wirtschaftskrise massiv gebeutelt wurden, streben weiterhin in die Währungsunion. Lettlands Ministerpräsident Valdis Dombrovskis sagte nach einem Baltikum-Gipfel in Riga, man sei sich einig, die aktuellen Euro-Probleme nicht als "Krise" zu bewerten. Sein Land halte am Ziel fest, den Euro 2014 einzuführen. Litauen peilt den Euro laut Präsidentin Dalia Grybauskaite "zwischen 2013 und 2015" an. Analysten zweifeln wegen hoher Inflation, drohender Budgetdefizite sowie schwächerer Konjunktur, dass die Euro-Ziele der beiden Staaten noch realistisch sind.

Estlands Regierungschef Andrus Ansip sagte indes, sein Land sei mit dem Euro zufrieden. Die Einführung der Einheitswährung habe das Vertrauen internationaler Investoren in sein Land und darüber hinaus in die gesamte Region gestärkt.