Pristina/Belgrad. (czar/apa) Mit Routinekontrollen von Fahrzeugen am Straßenrand war es diesmal nicht getan. Panzer und Bagger zur Räumung von Blockaden ließ die internationale Schutztruppe KFOR auffahren, als sie am gestrigen Mittwoch eine Großrazzia im Norden des Kosovo startete. Sie riegelte weite Teile des serbisch dominierten Gebietes ab, um Hausdurchsuchungen der EU-Justizmission Eulex zu ermöglichen. Diese war auf der Suche nach Verantwortlichen für die Auseinandersetzungen an der Grenze zu Serbien vor einem Monat.

So war der Großeinsatz auch ein weiterer Versuch, die sogenannten Parallelstrukturen im Nordkosovo abzubauen. Ende Juli waren die Behörden in Pristina noch daran gescheitert, an den drei Grenzübergängen eigene Zollbeamte einsetzen zu wollen. Die kosovarischen Serben reagierten mit Straßenblockaden und heftigen Protesten; ein Polizist starb. Die KFOR musste die Kontrolle über die Zollstationen übernehmen.

Die Razzien lösten Unmut unter den Serben aus. Slavisa Ristic, der Bürgermeister der Gemeinde Zubin Potok, wo mehrere Häuser durchsucht wurden, bezeichnete das Vorgehen der EU-Sonderpolizei als "unangemessen und roh". Es handle sich um noch einen Versuch, "das serbische Volk einzuschüchtern".

EU-Status an Verhältnis zu Pristina geknüpft

Die Serben im Norden des Kosovo erkennen - wie Serbien selbst - die von Pristina ausgerufene Unabhängigkeit der früheren südserbischen Provinz nicht an. Und auch wenn Belgrad offiziell mit den gewalttätigen Auseinandersetzungen an der Grenze nichts zu tun haben will, haben die Spannungen im Kosovo doch auch Auswirkungen auf die Bemühungen Serbiens, ein Mitglied der Europäischen Union zu werden.

Denn eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Belgrad und Pristina ist noch immer nicht in Sicht. Das aber fordert die EU. Wenige Tage nach der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel brachte dies auch der österreichische Außenminister Michael Spindelegger zum Ausdruck. Zwar solle Serbien "zeitnah" den EU-Kandidatenstatus erhalten, meinte er in einer Aussendung. "Gleichzeitig muss aber klar sein, dass die Geschwindigkeit der EU-Annäherung Serbiens mit einer Klärung des Verhältnisses zum Kosovo untrennbar verbunden ist."

Belgrad lehnt eine derartige Verknüpfung vehement ab. Für diese Haltung nehme er auch in Kauf, dass sein Land erst später den EU-Status bekommt, erklärte Präsident Boris Tadic.