Paris.

Strauss-Kahn beim Interview mit der Journalistin Claire Chazal von TF1. - © APAweb / EPA / FRANCOIS GUILLOT / POOL MAXPPP OUT
Strauss-Kahn beim Interview mit der Journalistin Claire Chazal von TF1. - © APAweb / EPA / FRANCOIS GUILLOT / POOL MAXPPP OUT
Vier Monate nach seiner Festnahme hat der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in seinem ersten Fernsehinterview einen "moralischen Fehler" eingeräumt. "Ich bedauere es unendlich", sagte der 62-Jährige am Sonntagabend zu seinem Sexualkontakt mit einem Zimmermädchen in einem New Yorker Hotel. Der Sozialist gab zu, eine Kandidatur für die Wahl 2012 geplant zu haben, will sich jetzt aber nicht mehr in den Wahlkampf einmischen.

"Das war ein moralischer Fehler und ich bin nicht stolz darauf", sagte "DSK", wie er in Frankreich genannt wird. Sein Fehler habe sowohl seine Frau, die französische Star-Journalistin Anne Sinclair, als auch seine Kinder und seine Landsleute getroffen. "Ich habe meine Begegnung mit den Franzosen verpasst", ergänzte der 62-Jährige, der erstmals öffentlich zugab, eine Kandidatur bei der Präsidentenwahl 2012 geplant zu haben.

"Zeit zum Nachdenken"

Umfragen hatten ihm bis zu seiner Festnahme Mitte Mai monatelang die besten Chancen von allen möglichen Bewerbern bescheinigt. Aus den Vorwahlen seiner sozialistischen Partei, die im Oktober stattfinden, will sich der frühere Finanzminister heraushalten. "Es ist nicht meine Rolle, mich da einzumischen". Einen Rückzug aus der Politik kündigte er nicht an. Er wolle sich "ausruhen" und "Zeit zum Nachdenken" haben, sagte er.

Strauss-Kahn, der angespannt wirkte, hatte den Bericht des US-Staatsanwalts mit ins Fernsehstudio gebracht, auf den er wiederholt verwies. Aus dem Dokument gehe hervor, dass es beim Sex mit dem Zimmermädchen Nafissatou Diallo keine Gewaltanwendung gegeben habe. Die US-Justiz hatte das Strafverfahren wegen versuchter Vergewaltigung Ende August eingestellt, da sie Zweifel an der Glaubwürdigkeit Diallos hatte. Es ist allerdings erwiesen, dass der frühere IWF-Chef "sieben bis neun Minuten" Sex mit der Hotelangestellten hatte, bevor er mit seiner Tochter zu Mittag aß.

"Respekt vor den Frauen"

Die Reaktion der Frauen auf die Geschehnisse in der Suite des Luxushotels Sofitel verstehe er. "Ich habe Respekt vor den Frauen", versicherte Strauss-Kahn, gegen den vor dem Sendegebäude von TF1 rund fünfzig Frauenrechtlerinnen demonstrierten. "Ich habe dafür bezahlt und ich bezahle immer noch dafür."

In Frankreich liegt ebenfalls eine Anzeige gegen "DSK" wegen versuchter Vergewaltigung vor. Die Schriftstellerin Tristane Banon wirft ihm vor, 2003 bei einem Interview über sie hergefallen zu sein. Strauss-Kahn sprach von einer "eingebildeten Version". Laut Ermittlungskreisen gab der 62-Jährige einen Annäherungsversuch zu, allerdings ohne Gewaltanwendung. Banons Mutter, die sozialistische Lokalpolitikerin Anne Mansouret, kritisierte nach dem Interview, Strauss-Kahn habe eine "dramaturgische Lehrstunde" abgehalten, ohne etwas zu erklären.

PR-Plan

Mit seinem Interview hat Strauss-Kahn bei Frankreichs Feministinnen wenig Gnade gefunden. Der Auftritt des 62-jährigen Politikers sei "jämmerlich" gewesen, sagte die Vorsitzende der Organisation "Paroles de femmes" (Frauenworte), Olivia Cattan, der Nachrichtenagentur AFP am Sonntagabend. Strauss-Kahn habe "keine Erklärung" geliefert, was am 14. Mai in einem New Yorker Hotelzimmer zwischen ihm und einem Zimmermädchen passiert sei. Der ganze Auftritt sei ein "Theaterstück" gewesen, mit dem Strauss-Kahn auf die politische Bühne zurückwolle, sagte Cattan.

Auch Magali de Haass von der Organisation "Osez le féminisme" (Wagt den Feminismus) sprach von einer "Inszenierung" und einem "großen PR-Plan", den der Politiker nach der Affäre nun umsetze.

47 Prozent aller französischen Fernsehzuschauer

Eine Rekordzahl an Zuschauern hat am Sonntagabend das erste Fernsehinterview des früheren IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn nach dessen Festnahme Mitte Mai verfolgt. Rund 13,4 Menschen und damit 47 Prozent aller französischen Fernsehzuschauer schalteten um 20.00 Uhr die Nachrichten des Senders TF1 ein, um den Auftritt des 62-Jährigen zu sehen, wie das auf Einschaltquoten spezialisierte Unternehmen Médiamétrie am Montag mitteilte. Zuletzt saßen am 7. November 2005 so viele Menschen vor den Nachrichten, als die Vorstadtkrawalle in Frankreich ihren Höhepunkt erreicht hatten.

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Libération: DSK: "Un piège ? C'est possible. Un complot ? Nous verrons..."