Ankara/Berlin. (czar/apa) Drei Tote, mindestens 15 Verletzte, ausgebrannte Autos, zerborstene Scheiben, zerstörte Geschäfte: Eine Explosion in der türkischen Hauptstadt Ankara richtete am Dienstagvormittag massiven Schaden an. Die Ursache war zunächst unklar: Die Polizei schloss einen Bombenanschlag nicht aus. Allerdings war auch von der möglichen Explosion eines Autogastanks die Rede.

Doch auch die Regierung geht von einem Attentat aus. Es gebe eine "hohe Wahrscheinlichkeit", dass es sich um einen "terroristischen Anschlag" gehandelt habe, sagte Innenminister Idris Naim Sahin. Der Sprengsatz könnte in einem Auto versteckt gewesen sein. Nachdem es zuvor geheißen hat, es seien keine Menschen ums Leben gekommen, sprach Sahin von drei Toten.

Die Explosion geschah im Stadtviertel Kizilay, im Zentrum Ankaras. Unweit des Tatortes befinden sich das Büro des Ministerpräsidenten und andere Behörden. In der Vergangenheit haben sowohl linke als auch rechte Gruppierungen Anschläge in der Türkei verübt. Ebenso ist die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) für Attentate verantwortlich.

Staatspräsident Abdullah Gül sprach jedenfalls auch von einem Anschlag und verurteilte den Terror. Er bereist derzeit Deutschland.

Bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel kamen die Beziehungen der Türkei zur EU zur Sprache, aber auch das derzeit zerrüttete Verhältnis zwischen der Türkei und Israel, worüber sich Merkel besorgt zeigte. Schon am Vortag hatte Gül das Interesse seines Landes bekräftigt, Mitglied der Europäischen Union zu werden. Berlin würde jedoch eine "strategische Partnerschaft" bevorzugen.

Nach dem Gespräch mit Merkel reiste Gül mit seinem Amtskollegen Christian Wulff in dessen Heimatstadt Osnabrück. Dort besuchten die Präsidenten unter anderem die Universität, die seit einem Jahr den bundesweit ersten Weiterbildungsstudiengang für Imame anbietet.