Brüssel. (wot) Nach dem verheerenden Reaktorunglück im japanischen Fukushima am 11. März war die weltweite Bestürzung groß. Die bald darauf verabredeten Stresstests für europäische Kernkraftwerke haben am Donnerstag ihre ersten Zwischenergebnisse gebracht.

Die Atomaufsichtsbehörden jener 14 Mitgliedstaaten, die über Atommeiler verfügen, legten ihre Sicht der Dinge dar. Keines der laufenden 143 AKW hat demnach so grobe Sicherheitsmängel, dass es umgehend abgeschaltet werden müsste. Die Sicherheitsvorkehrungen könnten bei einigen aber deutlich besser sein. Die EU-Kommission teilte daher mit, dass sie weitere Schritte für die nukleare Sicherheit in Europa anstrebe - womöglich eine Verschärfung der EU-Gesetze.

Für nähere Erkenntnisse warte man aber noch auf die nationalen Abschlussberichte zu Jahresende, die dann im ersten Halbjahr 2012 gegenseitig von Nuklearexperten aller 27 Mitgliedstaaten und Kommissionsbeamten überprüft würden, hieß es.

Bemerkenswert ist, dass die Regulierungsbehörden just im Atomstromland Nummer 1 - nämlich Frankreich - Sicherheitsmängel gefunden haben. Wasserreserven für Notfälle seien zum Teil zu gering gewesen, manche Röhrensysteme würden Erdbeben nicht standhalten können. Manche Staaten wie etwa das österreichische Nachbarland Tschechien hätten ihre Berichte bisher nur recht kursorisch verfasst, meinte ein Kommissionsexperte. Die Aussagekraft sei daher noch gering.

Grundsätzlich testen die Prüfer die EU-Meiler auf Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Hochwasser, Strom- und Kühlungsausfälle und - das ist neu - Kombinationen davon. Schließlich war das AKW in Fukushima nach einem Erdbeben der Stufe 9 auf der Richterskala noch von einem Tsunami heimgesucht worden - erst beide Naturgewalten zusammen gaben dem Kraftwerk den Rest.

Zusätzlich 500 Millionen Euro bewilligte die EU-Kommission unterdessen für die Stilllegung von Atommeilern in Bulgarien, Litauen und Slowakei. Den Betrieb der alten Sowjet-Reaktoren in Kosloduj, Ignalina und Bohunice müssen die drei Mitgliedstaaten laut ihren Beitrittsverträgen einstellen.