Budapest. Nach der Herabstufung auf Ramschstatus bemüht sich Ungarns Regierung händeringend um eine Annhäherung an internationale Geldgeber. Mit einer politischen Kehrtwende soll die angeschlagene Wirtschaft stabilisiert werden. Dazu soll das schwierige Verhältnis zur Europäischen Union, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und den nationalen Banken verbessert werden.

  "Ungarn braucht einen neuen Wachstumsplan und zur gleichen Zeit ein finanzielles Sicherheitsnetz. In der derzeitgen Lage können nur der IWF und die EU uns diese Sicherheit bieten", sagte Wirtschaftsminister György Matolcsy am Freitagabend nach einer Dringlichkeitssitzung mit Ministerpräsident Viktor Orban und Wirtschaftsexperten. Ungarn wolle sich aber weiterhin alleine an den internationalen Märkten refinanzieren, stellte er klar.

   Der IWF und die EU hatten Ungarn bereits 2008 mit Notkrediten von rund 20 Milliarden Euro vor dem Staatsbankrott gerettet. 2010 kündigte Orban wenige Monate nach seinem Amtsantritt den Vertrag mit dem IWF.

Ramschstatus
   Die Agentur Moody's hatte am Donnerstag Ungarns Kreditwürdigkeit wegen der hohen Verschuldung und der lahmen Wirtschaft auf "Ramsch" herabgestuft und damit Ängste vor einer Ansteckung Osteuropas durch die Schuldenkrise geschürt. Sie begründete ihre Entscheidung mit der starken Abhängigkeit Ungarns von ausländischen Geldgebern, den schlechten Konjunkturaussichten und dem Schuldenberg von 82 Prozent der Wirtschaftsleistung. Erst vor wenigen Tagen hatte sich Budapest mit der Bitte um Hilfsgelder an den Internationalen Währungsfonds gewandt. Die Regierung hatte gehofft, so der drohenden Herabstufung ihrer Staatsanleihen zu entgehen.

   Nach der Rückstufung senkte die Regierung die Wachstumserwartungen für 2012 deutlich. Ungarn erwarte im kommenden Jahr ein Wirtschaftswachstum von 0,5 bis ein Prozent. Das bisher angepeilte Wachstum von 1,5 Prozent 2012 sei "nicht realistisch", fügte Matolcsy hinzu.