Rom. (rm/apa) Er werde nie wieder als Premierminister kandidieren, aber als Präsident der stärksten Partei im Parlament weiterhin politisch aktiv sein, kündigte Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi an, nachdem am Samstag wieder einmal ein Prozess gegen ihn wegen Verjährung eingestellt worden war. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor wegen der Bestechung des ehemaligen britischen Anwalts David Mills, der für Falschaussagen in den Neunzigerjahren 600.000 Dollar erhalten hatte, fünf Jahre Haft gefordert. Berlusconi profitierte einmal mehr von der Verkürzung der Verjährungsfristen, die in seiner Regierungszeit beschlossen worden waren.

Die Justizprobleme des Ex-Premiers sind mit dem neuerlichen Freispruch wegen Verjährung aber noch nicht zu Ende. Derzeit laufen noch drei weitere Prozesse gegen ihn. Im Mediaset-Prozess muss er sich wegen Verdachtes auf Betrug und Unterschlagung beim Kauf von Filmrechten für seinen Medienkonzern verantworten, weil er den italienischen Behörden überhöhte Kaufpreise angegeben hatte, um Steuern zu sparen. Am 15. März beginnt in Mailand ein Verfahren wegen Beihilfe zur Veröffentlichung von abgehörten Telefongesprächen in der zu seinem Konzern gehörenden Zeitung "Il Giornale". Und schließlich muss er sich im sogenannten Ruby-Prozess wegen Amtsmissbrauchs und Sex mit der minderjährigen Prostituierten Karima El-Marough (Ruby) verantworten. Berlusconi hatte im Mai 2010 bei der Polizei in Mailand angerufen und behauptet, es handle sich um eine Nichte des ägyptischen Präsidenten Mubarak, um die damals 17-jährige freizubekommen.