Chisinau. Seit zweieinhalb Jahren sucht Moldawien ein Staatsoberhaupt - nun könnte die verarmte Ex-Sowjetrepublik endlich eine neue Präsidentin erhalten. Denn die Regierungskoalition, das Parteienbündnis "Allianz für Europäische Integration", hat sich mehrheitlich darauf geeinigt, dass die 51-jährige politisch unabhängige Finanzexpertin Veronica Bacalu als Präsidentschaftskandidatin antreten soll. Der interimistische Staatschef Marian Lupu erklärte, dass die Wahl spätestens Mitte März stattfinden werde.

Die Wahl Bacalus zur Präsidentin könnte das Machtvakuum an der Staatsspitze beenden. Die Präsidentschaftswahl ist seit dem September 2009 immer wieder gescheitert. Für die Wahl des moldawischen Staatsoberhaupts ist nämlich laut Verfassung eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament notwendig, doch über die verfügt die Regierung nicht. Die Kommunisten unter dem Ex-Staatschef Wladimir Woronin konnten die Prozedur wiederholt blockieren. Das Parlament wurde zweimal aufgelöst, und auch jetzt droht bei einem Scheitern der Wahl die Auflösung des Abgeordnetenhauses.

Bacalu hat aber Chancen, gewählt zu werden: Denn die "Dodon-Gruppe" dreier oppositioneller Sozialisten hat angekündigt, ihr die Stimme zu geben. Damit würde Bacalu die notwendige Mehrheit erreichen - sofern dann niemand aus dem Regierungslager umkippt, was Beobachter allerdings nicht ausschließen.

Bacalu ist derzeit als Vertreterin Moldawiens beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in den USA tätig. Abgesehen von ihrer Funktion als Vizegouverneurin der moldawischen Nationalbank zwischen 1996 und 2002 hat sie keine öffentlichen Ämter oder politische Funktionen bekleidet. In der Öffentlichkeit ist Bacalu weitgehend unbekannt. Zeitungsinterviews hat sie bisher beharrlich abgelehnt.