Das AKW in Temelin hat in Tschechien einen weitaus besseren Ruf als hierzulande. Nun will das Land noch stärker auf Atomkraft setzen. - © APAweb/Peter Endig/dapd
Das AKW in Temelin hat in Tschechien einen weitaus besseren Ruf als hierzulande. Nun will das Land noch stärker auf Atomkraft setzen. - © APAweb/Peter Endig/dapd

Prag. Der tschechische Industrie- und Handelsminister Martin Kuba hat bekräftigt, dass Tschechien an der Nutzung der Atomenergie festhalten will. Neben dem Ausbau des Atomkraftwerkes (AKW) Temelin und der Verlängerung der Laufzeit des AKW Dukovany bis zum Jahr 2035 sei es nötig, einen Platz für den Bau eines dritten Atomkraftwerks zu suchen, erklärte er am Donnerstag auf einem Energieforum in Prag.

"Es ist notwendig, das Energiesystem zu stabilisieren und so weit wie möglich heimische Quellen zu nutzen", betonte Kuba. Für das dritte mögliche Atomkraftwerk sei bereits früher eine Lokalität im nordmährischen Blahutovice gefunden worden, erklärte er. "Allerdings sind dort die Bedingungen nicht ideal. Man muss eine Debatte über die Suche nach einen neuen Standort für die dritte atomare Energiequelle eröffnen", so Kuba weiter.

Diese Pläne werden laut Kuba Teil eines neuen energiepolitischen Konzepts des Landes sein, das sein Ministerium gerade vorbereite. Darin sollen die Bedingungen für die Entwicklung der tschechischen Energie-Industrie für die kommenden 25 bis 30 Jahre festlegen werden. Das neue energiepolitische Konzept soll bis Mitte des Jahres fertig sein.

Temelin soll erweitert werden
Der geplante Ausbau Temelins sieht den Bau von zwei zusätzlichen Blöcken vor. Ein entsprechendes Auswahlverfahren läuft bereits. Im Februar hatte Kuba auch über die Möglichkeit eines Baus eines neuen Reaktorblocks im südmährischen AKW Dukovany gesprochen. Der bisherige Anteil von Atomenergie an der Stromproduktion in Tschechien würde laut Kuba mit den drei neuen Reaktoren von den jetzigen 30 auf 50 Prozent steigen.

Der Industrieminister hatte im Februar die frühere Pläne seines Vorgängers gedämpft, wonach in Tschechien bis 2060 insgesamt 18 neue Atomreaktoren aufgebaut werden könnten. Dies sei "aus ökonomischer Sicht nicht realistisch", hatte Kuba erklärt. Tschechien sollte weiterhin nur mit zwei Atomkraftwerken (Temelin und Dukovany, Anm.) auskommen, so Kuba. Von einem dritten Atomkraftwerk war damals nicht die Rede.