Brüssel. Die Mitteilung der Europäischen Medizinagentur (EMA) war kurz gehalten. Eric Abadie, ein Forschungs- und Abteilungsleiter der in London ansässigen Organisation, habe seinen Rücktritt eingereicht - und der wurde prompt akzeptiert. Keinen Platz fand jedoch die längere Erklärung dazu.

Abadie ist nämlich zuvor von seinem Posten als wissenschaftlicher Berater in der französischen Sicherheitsagentur für Gesundheitsprodukte (Afssaps) entlassen worden - weil die Behörde neu strukturiert wurde, wie es dort hieß. Und da EMA wiederum die Gehaltsforderungen für Abadies Tätigkeit in London nicht übernehmen wollte, habe er auch diese beendet, ergänzte eine Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Afssaps selbst ist in Frankreich in die Kritik geraten, weil die Behörde zunächst weder gegen schädliche Brustimplantate noch ein Diabetesmedikament vorging, das bereits zuvor in anderen Ländern wegen seiner tödlichen Wirkung auf mehrere hundert Patienten verboten worden war.

Doch auch die Reputation von EMA, zuständig für die Beurteilung und Überwachung von Arzneimitteln in der Union, ist angeschlagen. Ihr und zwei weiteren EU-Agenturen - einer für Lebensmittelsicherheit, der anderen für Umwelt - hat das EU-Parlament erst in der Vorwoche die Entlastung ihrer Budgets verweigert. Einige Mitarbeiter der Behörden hätten zu enge Verbindungen zu den Branchen, die sie eigentlich kontrollieren sollten - und seien damit für Interessenkonflikte anfällig.

EMA selbst lieferte schon früher Anhaltspunkte dafür. Ihr ehemaliger Leiter wechselte vor einem guten Jahr übergangslos in die Pharmaindustrie.