Mindestlöhne sind Angelegenheit der Nationalstaaten. Dazu wird es auf europäischer Ebene keine einheitliche Meinung geben, weder über die Höhe, noch über die Art und auch nicht über das Prinzip. Und das halte ich auch nicht für tragisch.

Griechenland und Spanien sind am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen. Gerade dort ist der Arbeitnehmerschutz besonders hoch. Hemmt Unkündbarkeit die Entwicklung und Innovation von Unternehmen oder ist das nur ein neoliberaler Ansatz?

Eine gewisse Flexibilität ist sinnvoll und sollte nicht als neoliberal verdammt werden. Das sieht man auch am Beispiel Österreich. Italien und Spanien haben hier einen sehr großen Aufholbedarf. Die Auswirkungen einer Aufweichung des Kündigungsschutzes werden nicht innerhalb von Monaten sichtbar werden. Man muss hier mit einer Verzögerung von zwei bis fünf Jahren rechnen. Aber der Weg sollte beschritten werden.

Gibt es Best-Practice-Beispiele in Europa oder weltweit?

Ich würde sagen, dass Österreich und Deutschland sehr gut dastehen, auch die Niederlande könnten ein Beispiel sein. Die Verbindung von sozialer Absicherung und Flexibilität ist die Basis für das gute Abschneiden dieser Länder. Da könnten sich viele EU-Staaten ein Beispiel nehmen.

Zur Person



Werner

Eichhorst (42)

ist stellvertretender Direktor für Arbeitsmarktpolitik am Institut für die Zukunft der Arbeit in Bonn. Eichhorst ist Sozialwissenschafter und Experte für den Arbeitsmarkt im europäischen Vergleich.