Paris. Vor der zweiten und entscheidenden Runde am 6. Mai der französischen Präsidentenwahl zeichnet sich ein erbitterter Kampf um die Anhänger der ausgeschiedenen Rechtskandidatin Marine Le Pen ab. Während Präsident Sarkozy die Abschottungsfantasien der Le Pen-Wähler unterstützt, will der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande die Wähler der rechtsextremen Front National (FN) "überzeugen".

Dabei will Hollande jedoch nicht die traditionelle linke Wählerschaft  vergessen, wie er gegenüber der Libération erklärte. Er wolle zunächst diejenigen mobilisieren, die nicht zur Wahl gegangen seien. An zweiter Stelle wolle er alle "ernsthaften Republikaner" ansprechen, denen das Wohl Frankreichs am Herzen liege, ergänzte der 57-Jährige mit Blick auf die politische Mitte. Und dann gehe es um die Wähler der Rechtsextremen: "Ich muss sie überzeugen, dass es die Linke ist, die sie verteidigt", sagte Hollande, der für die Stichwahl in Umfragen deutlich vor Sarkozy liegt. Diese Wähler seien nicht automatisch Anhänger rechtsextremer Ideen, sondern würden vor allem eine "soziale Wut" zum Ausdruck bringen.


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Ergebnis der ersten Wahlgangs
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Linke für Hollande

Holland hob zugleich hervor, dass er sich bis zur Stichwahl vor allem an die linke Wählerschaft wenden werde. "Ich werde nicht den Fehler begehen, nur zu den anderen zu sprechen und unsere zu vergessen", sagte er. Die unterlegenen linken Kandidaten, darunter Jean-Luc Melenchon, haben bereits ihre Unterstützung für Hollande in der Stichwahl deutlich gemacht.

Sarkozy hatte bereits am Montag begonnen, offen um Rechte und Globalisierungskritiker zu werben. "Ein Europa, das die Migrationsströme nicht reguliert, das seine Grenzen nicht verteidigt und das gleichzeitig seine Märkte ohne Gegenleistung öffnet, ist am Ende", sagte de Konservative am Montagabend bei einer Kundgebung in Saint-Cyr bei Tours. In der ersten Runde der Präsidentenwahl am Sonntag hätten die Franzosen klar zu verstehen gegeben, dass sie genug von einer Globalisierung ohne Regeln hätten und kein durchlässiges Europa wollten: "Wir müssen dem Rechnung tragen", sagte Sarkozy. "Eine Grenze ist dazu da, um zu schützen."

Im ersten Wahlgang hatten am Sonntag rund 30 Prozent der Wähler für die Kandidaten der extremen Linken oder Rechten gestimmt. Diese dürfen in der zweiten Runde nicht mehr antreten. Vor allem Sarkozy ist auf Wechselwähler angewiesen. Im ersten Wahlgang kam er auf 27,2 Prozent und lag damit hinter seinem Herausforderer Hollande mit 28,6 Prozent. Marine Le Pen holte überraschend fast 18 Prozent und landete damit auf Platz drei vor dem Chef der kommunistisch orientierten Linksfront, Mélenchon (11,1 Prozent).

Rechte zögert noch

"Ich glaube nicht mehr an die Aufrichtigkeit von Nicolas Sarkozy", sagte Le Pen am Montagabend in einem Fernsehinterview. Die 43-jährige frühere Anwältin könnte ihren Anhängern empfehlen, am 6. Mai ungültige Stimmzettel abzugeben. Eine solche Empfehlung sei "wahrscheinlich", sagte der Vorsitzende von Le Pens Unterstützerkomitee, Gilbert Collard, im Hörfunk.

Hollande rechnet damit, dass er noch vor der Stichwahl von europäischen Regierungschefs empfangen werden könnte, die bisher noch nicht dazu bereit waren. "Die Türen werden sich vielleicht zwischen den beiden Runden anfangen zu öffnen", sagte der 57-Jährige bei einem Wahlkampfauftritt in der Bretagne.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die offen ihren Parteifreund Sarkozy unterstützt, hat Hollande bisher nicht getroffen. Damit reagiert Merkel auch auf die Ankündigung des Sozialisten, im Falle seiner Wahl den EU-Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin nachzuverhandeln und um eine Wachstumskomponente zu ergänzen.