Oslo. Erstmals hat am Mittwoch eine Überlebende des Massakers auf der norwegischen Insel Utöya vor Gericht über die Bluttat des rechtsradikalen Attentäters Anders Behring Breivik ausgesagt. Die 24-jährige Tonje Brenna von der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF schilderte, wie sie plötzlich sah, wie direkt vor ihr zwei junge Teilnehmer des Sommerlagers von Schüssen getroffen wurden und umfielen. Danach habe es eine chaotische und panische Fluchtbewegung quer über die kleine Fjordinsel gegeben.

Brenna überlebte versteckt in einer Felsspalte und beschützte dabei andere, zum Teil schwer verletzte Jugendliche. Sie sagte nach der Mitschrift der Osloer Zeitung "VG" aus dem Gerichtssaal: "Ich habe gehört, wie er nach Treffern in Jubel ausgebrochen ist."

Am Vormittag des 15. Verhandlungstages verlas die Anklage erneut Obduktionsberichte über Breiviks Opfer von Utöya. Das jüngste war die gerade 14 Jahre alt gewordene Sharidyn Svebakk-Bohn. Breivik hatte sie mit zwei Schüssen in den Rücken getötet. In Gedenkworten zu ihr, die eine Anwältin im Beisein ihrer weinenden Adoptiveltern verlas, hieß es, dass das Mädchen später gerne Modeschöpferin werden wollte. Bei der Verlesung ähnlicher Gedenkworte hatte zu Wochenbeginn die Gerichtsvorsitzende Wenche Elisabeth Arntzen nach Berichten norwegischer Medien mehrfach mit den Tränen gekämpft, während Breivik unbewegt zuhörte und erklärte, er könne sich an die Tötung von zwölf Jugendlichen im Insel-Cafe nicht im Detail erinnern.

Nach Aussagen von Gerichtsmedizinern sind die meisten der 69 Opfer von Utöya mit jeweils drei Schüssen getötet worden.

In der Vorwoche hatte der Fahrkapitän Jon Olsen vor Gericht geschildert, wie er Breivik geholfen habe, eine schwere Kiste an Bord zu hieven, ohne zu wissen, dass sie voll mit Munition war. Breivik habe ihm gesagt, in der Kiste seien Instrumente zum Aufspüren von Sprengstoff. Kurz nach der Landung habe er mitansehen müssen, wie der Attentäter seine beiden ersten Opfer getötet habe, einen Camp-Wächter und Olsens Lebensgefährtin Monica Boesei.

Breivik hatte am 22. Juli 2011 in etwa anderthalb Stunden 69 fast durchweg jugendliche Opfer erschossen, ehe er sich der Polizei ergab. Vorher waren in Oslo acht Menschen durch eine von ihm gelegte Bombe gestorben.