Athen. In den verzweifelten Bemühungen um die Bildung einer neuen Regierung in Griechenland unternimmt Präsident Karolos Papoulias einen letzten Anlauf. Er berief für Sonntag Drei-Parteien-Gespräche ein, die Neuwahlen mit einem wahrscheinlichen Erstarken radikaler Parteien verhindern sollen.

An dem Drei-Parteien-Gespräch am Sonntagvormittag in Athen sollten die sozialistische PASOK, die konservative Nea Dimokratia (ND) und die linksradikale Syriza teilnehmen, erklärte das Präsidialamt. Papoulias wolle anschließend auch mit Vertretern kleinerer Parlamentsparteien sprechen, auch mit den Neo-Nazis von der Chryssi Avgi (Goldene Morgenröte).

Vor der Erklärung von Papoulias hatte PASOK-Chef Evangelos Venizelos das Mandat zur Regierungsbildung zurückgegeben. Vor ihm hatten es bereits schon Nea Dimokratia und Syriza nicht geschafft, eine Koalition auf die Beine zu stellen.

Stimmen für die Anti-Sparkurs-Parteien
Hintergrund der verfahrenen Situation ist das Ergebnis der Wahl vor einer Woche. Dabei hatten die Griechen die bisher regierenden Parteien ND und PASOK abgestraft, weil sie den mit den internationalen Geldgebern vereinbarten Sparkurs in Griechenland durchdrückten. Anti-Sparkurs-Parteien erhielten dagegen mehr als die Hälfte der Sitze im neuen Parlament. Da ihr Spektrum aber von den Neo-Nazis bis zu Linksradikalen reicht, können auch sie sich nicht auf eine Regierung einigen.

Sollte es auch Papoulias bis Donnerstag nicht schaffen, die Parteien zu einer Regierung der nationalen Einheit zu bringen, wären Neuwahlen unausweichlich. Aktuellen Umfragen zufolge würden dabei die Sparkurs-Gegner noch stärker abschneiden, die Syriza könnte stärkste Kraft im Parlament werden.

Papademos will nicht kommissarischer Regierungschef sein
Zu allem Überfluss erklärte der bisherige Regierungschef Lucas Papademos, dass er im Falle von Neuwahlen das Land nicht kommissarisch bis zum Urnengang führen wolle. Der frühere Vizechef der Europäischen Zentralbank hatte die von ND und PASOK nur unter internationalem Druck gebildete Regierung zusammengehalten und galt als Garant für die Erfüllung der Sparzusagen.

"Wir sind nur einen Hauch von Katastrophe und Drachme entfernt", schrieb angesichts der Situation die liberale Tageszeitung "Kathimerini". "Ein sehr großer Teil unserer Bürger realisiert das nicht, und das ist sehr, sehr gefährlich."

Juncker will Griechenland mehr Zeit geben
Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker will Griechenland mehr Zeit zum Sparen geben. Am vereinbarten harten Sparkurs jedoch führe kein Weg vorbei. Der Eurogruppen-Chef warnte davor, den Druck auf Griechenland zu erhöhen. An den vertraglich vereinbarten Konsolidierungszielen dürfe jedoch nicht gerüttelt werden. Griechenland müsse sich sanieren und die Verträge erfüllen, wenn es europäische Finanzhilfen und den Euro behalten wolle.