Pristina/Prishtina. Im Norden des Kosovo haben sich am Freitag NATO-Soldaten und Serben gewalttätige Auseinandersetzungen geliefert. Bei der Räumung der Barrikaden in der Nähe der nordkosovarischen Ortschaft Rudare durch die internationale Schutztruppe im Kosovo (KFOR) wurden zwei deutsche Bundeswehrsoldat sowie mindestens fünf Serben verletzt. Mehrere hundert ortsansässige Serben lieferten sich am Vormittag Zusammenstöße mit KFOR-Soldaten und bewarfen sie mit Steinen, um die Beseitigung der im vergangenen Sommer errichteten Barrikaden zu verhindern. Dabei kam es auch zu einem Schusswechsel. Österreichische KFOR-Soldaten waren vom Vorfall nicht betroffen.

Einer der beiden verletzten deutschen Soldaten musste wegen einer Schussverletzung am Oberarm ins Krankenhaus gebracht werden. Der andere wurde nach Angaben des Einsatzführungskommandos der deutschen Bundeswehr am Ohr getroffen. Er konnte vor Ort versorgt werden, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete.

Laut Belgrader Medienberichten wurden in den Auseinandersetzungen auch vier oder fünf Serben verletzt. Ein serbischer Verantwortlicher sagte der Nachrichtenagentur Tanjug, die Serben seien verletzt worden, als die KFOR Tränengas und Gummigeschoße einsetzte.

Der Staatssekretär im serbischen Kosovo-Ministerium Oliver Ivanovic bezeichnete die KFOR-Aktion als "risikoreich". Nach Meinung von Ivanovic würde sie darauf abzielen, die Position Prishtinas vor der Wiederaufnahme des Dialogs mit Belgrad zu festigen. Der Dialog wurde im Februar wegen der Wahlkampfes in Serbien unterbrochen und soll nach der Regierungsbildung in Belgrad wieder aufgenommen werden.

Von den rund 120.000 Mitgliedern der serbischen Volksgruppe im Nordkosovo wird jede Autorität Prishtinas in dieser Region abgelehnt. Ab dem heutigem Freitag sind im Kosovo entsprechend einer Vereinbarung mit Belgrad aus dem Vorjahr Fahrzeuge mit den alten serbischen Kennzeichen nicht mehr zugelassen. Beim Verstoß droht die Beschlagnahmung des Fahrzeuges.

Serbische Politiker im Nordkosovo ließen wissen, dass die Verordnung im Nordkosovo nicht beachtet werde. Nach Angaben des kosovarischen stellvertretenden Innenministers, Sasa Rasic, eines Serben, haben bisher mehr als 5.300 Serben ihre Kennzeichen gegen kosovarische getauscht. In einem Büro des Ministeriums für Lokalverwaltung, das vor zwei Jahren in einem von Albanern und Muslimen bewohnten Stadtviertel von Nord-Mitrovica eröffnet wurde, wurden demnach auch rund 10.000 kosovarische Personaldokumente, zu 85 Prozent an Serben, ausgestellt. Im Nordkosovo leben schätzungsweise 60.000 Serben.

Bei früheren gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Kosovo-Serben und KFOR-Truppen sind im November 2011 elf österreichische und 19 deutsche Soldaten verletzt worden. Österreich ist mit derzeit 600 Soldaten in der rund 6.000 Mann starken KFOR vertreten und damit größtes Nicht-NATO-Mitglied innerhalb der Kosovo-Truppe.