Für noch mehr Unmut in Bukarest sorgt die Verknüpfung zweier Themen, die theoretisch nicht miteinander verbunden sind: Fortschritte bei der Stärkung der Justiz und die angestrebte Mitgliedschaft in der Schengen-Zone, wo Reisen ohne Grenzkontrollen möglich sind. Die Aufnahme war schon für das vorige Jahr geplant gewesen, doch pochten mehrere Staaten, allen voran die Niederlande, auf die Umsetzung der Justizreformen. Im September sollen die EU-Mitglieder über das weitere Vorgehen entscheiden, zuvor wollen sie den Fortschrittsbericht der Kommission sehen. Die nächste Bewertung der Brüsseler Behörde ist für kommende Woche angesetzt.

Rumänien hat sich technisch intensiv auf den Schengen-Beitritt vorbereitet, nicht zuletzt mit Finanzhilfe aus EU-Fördertöpfen. Immerhin soll es sicherstellen, dass die Außengrenzen der Union überwacht werden. Dass dies nicht ausreicht, sondern darüber hinaus andere Forderungen gestellt werden, verbittert nicht nur Ponta, sondern auch seinen politischen Rivalen Basescu. Wie jeder Premier der vergangenen Jahre hat ebenfalls der Präsident die "doppelten Standards" angeprangert, nach denen die jüngsten - und ärmsten - EU-Mitglieder behandelt werden. Es sei schlicht nicht fair, Anforderungen in einem Bereich auch in einem anderen zu stellen.

Ähnlich äußerten sich EU-Parlamentspräsident Schulz sowie Hannes Swoboda, der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten im Abgeordnetenhaus der Union. Die zusätzlichen Bedingungen seien nicht einmal legal, meinte Swoboda. Ganz anders sehen das die Konservativen. Über die Beurteilung der Lage in Rumänien ist im EU-Parlament nämlich ein heftiger Zwist entbrannt. Während die Sozialdemokraten zu beruhigen versuchen, sprach etwa der CDU-Mandatar Elmar Brok von einem Staatsstreich in Bukarest. Mitglieder der Europäischen Volkspartei, der größten Fraktion, wollen prüfen lassen, ob gegen Rumänien ein Verfahren wegen Verstoßes gegen EU-Werte notwendig sei. Die Sozialdemokraten wiederum werfen ihren konservativen Kollegen rein parteipolitisch motivierte Kritik vor. Immerhin hätten sich diese durchaus nicht so empört, als es um die Vorgänge in Ungarn ging, wo der Premier ebenfalls ein Konservativer ist.

Was in der Debatte allerdings kaum erwähnt wird, ist, dass der ungarische Ministerpräsident bei Wahlen gestärkt wurde. Der rumänische hingegen hat nicht nach einem Urnengang sein Amt erlangt, sondern steht einer Übergangsregierung vor, die nach dem Zerfall der vorigen Koalition gebildet wurde.

Ponta war jedenfalls in Brüssel bemüht, die Wogen zu glätten. Immer wieder versicherte er, dass sich sein Land demokratischen Werten verpflichtet fühle - und weiter an europäischen Standards arbeite.