In Erinnerung an Borsellino, der mit seinem ebenfalls im Jahr 1992 ermordeten Kollegen Giovanni Falcone zu einem Symbol des Kampfs gegen die "Krake" Mafia geworden ist, fanden diese Woche in ganz Italien zahlreiche Gedenkfeiern statt. - © APAweb/EPA
In Erinnerung an Borsellino, der mit seinem ebenfalls im Jahr 1992 ermordeten Kollegen Giovanni Falcone zu einem Symbol des Kampfs gegen die "Krake" Mafia geworden ist, fanden diese Woche in ganz Italien zahlreiche Gedenkfeiern statt. - © APAweb/EPA

Rom. Tausende Menschen haben am Donnerstag im Zentrum von Palermo des vor 20 Jahren ermordeten Mafia-Jägers Paolo Borsellino gedacht. Auf der Via D'Amelio, der Straße, auf der Borsellino und fünf seiner Leibwächter durch einen Sprengstoffanschlag getötet wurden, legten Freunde und Kollegen des Staatsanwalts sowie dutzende Bürger Blumensträuße nieder. An der Zeremonie beteiligte sich auch der Präsident der Abgeordnetenkammer, Gianfranco Fini, der die Angehörigen des ermordeten Staatsanwalts traf.

  In einer Ansprache vor dem Parlament betonte Senatspräsident Renato Schifani, dass das Bewusstsein der beträchtlichen Resultate im Kampf gegen das organisierte Verbrechen in den letzten Jahren ein Trost für Borsellinos Angehörige sein müsse. Immer breitere Teile der sizilianischen Gesellschaft würden gegen die Erpressung und den Druck der mafiösen Macht rebellieren. Die Erfolge im Einsatz gegen die finanziellen Interessen der Cosa Nostra seien vor allem in den letzten Jahren beeindruckend, sagte Schifani.

Symbole im Kampf gegen die Mafia   
In Erinnerung an Borsellino, der mit seinem ebenfalls im Jahr 1992 ermordeten Kollegen Giovanni Falcone zu einem Symbol des Kampfs gegen die "Krake" Mafia geworden ist, fanden diese Woche in ganz Italien zahlreiche Gedenkfeiern statt. Borsellino, der 52-jährig starb, bemühte sich, die internationalen Verbindungen der Cosa Nostra aufzudecken. Eine entscheidende Rolle spielte er beim Aufbau des sogenannten Anti-Mafia-Pools, einer Gruppe von Staatsanwälten, die Mitte der achtziger Jahre große Erfolge im Kampf gegen das organisierte Verbrechen erzielen konnte.

  Auch die UN-Behörde für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Wien gedachte Borsellino und Falcone. Die Arbeit dieser beiden Staatsanwälte sei inspirierend und bilde das Fundament für die UN-Konvention zur transnationalen Bekämpfung des organisierten Verbrechens. Ihr Einsatz zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens auf internationaler Ebene habe die internationale Gemeinschaft stark beeinflusst. "In dieser Hinsicht leben Falcone und Borsellino weiter", erklärte UNODC-Direktor Juri Fedotow in einer Presseaussendung.

  Die Ermordung Falcones und Borsellinos markierte in Italien einen Wendepunkt in der Haltung der Bevölkerung zur Mafia. Hunderttausende demonstrierten unmittelbar nach Borsellinos Tod auf den Straßen Palermos. Viele Sizilianer brachen ihr Schweigen und bekannten sich offen als Gegner der Mafia. Erpresste Geschäftsleute wehrten sich zunehmend, Zwangsgelder an die Organisation zu zahlen. Einige von ihnen mussten dies mit ihrem Leben bezahlen.

  Kurz nach Borsellinos Mord wurde eine neue Anti-Mafia-Gesetzgebung verabschiedet, die abtrünnigen Mafiosi beträchtliche Strafmilderungen garantierte. Dank der Kooperation mit reuiger Kronzeugen konnten die italienischen Behörden in den Jahren nach der Ermordung Borsellinos wichtige Erfolge im Kampf gegen die Cosa Nostra erzielen. Entscheidend war 1993 die Verhaftung von Toto Riina, der Nummer eins der sizilianischen Mafia, der wegen des Mordes an Falcone zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Lebenslänglich hinter Gittern sitzt auch der Mafia-Boss Giovanni Brusca. Er hatte den Auslöser der Bombe gedrückt, die Falcone tötete.