Madrid. (rie/art) Fußball ist nicht Cricket. So viel steht fest. Seit 1969 ist Gibraltar Mitglied des Internationalen Cricket-Verbandes und nimmt als solches auch an europäischen Wettbewerben teil. Alles kein Problem. Aber im Fußball wurde aus diesem Ansinnen bisher nichts. Im Mai kommenden Jahres soll der Kongress in London darüber entscheiden, ob Gibraltar vollwertiges Mitglied des europäischen Fußball Verbandes (Uefa) werden soll - nicht zum ersten Mal. So viel ist sicher, Spanien ist schon einmal dagegen. Auch nicht zum ersten Mal.

Am Montag war das kleine, an Spanien grenzende und zu Großbritannien gehörende Gebiet als provisorisches Mitglied der Uefa aufgenommen worden. Spanien will nun "alle legalen Mittel" ausschöpfen, um zu verhindern, das Gibraltar die Vollmitgliedschaft zugesprochen wird, wie Sportminister José Ignacio Wert sagte. Spanien hat die Souveränität Großbritanniens über Gibraltar nie anerkannt. Doch es gibt noch einen anderen Grund, warum Spanien gegen die Mitgliedschaft Gibraltars opponiert - schließlich gibt es auch in Katalonien und im Baskenland Bestrebungen, mit eigenen Fußball-Teams an internationalen Bewerben teilzunehmen. "Wir sind zuversichtlich, dass dieses Provisorium nicht in eine Anerkennung münden wird", so Wert. Die Briten hielten sich am Dienstag noch mit Kommentaren zurück.

Gibraltars Ansuchen um eine Uefa-Mitgliedschaft war vom internationalen Sportgerichtshof (CAS) bestärkt worden. Der CAS hatte im August festgelegt, dass die Uefa die Mitgliedschaft des britischen Überseegebietes in Betracht ziehen müsse. Gibraltars Regierung kritisierte nun Spaniens ablehnende Haltung in der Causa. "Fußball sollte niemals mit Politik vermischt werden", hieß es in einer offiziellen Stellungnahme.

Gibraltar, das an einem Fels - dem berühmten Rock of Gibraltar - liegt, lediglich sieben Quadratkilometer groß ist und nur 28.000 Einwohner zählt, wurde 1713 im Rahmen des Vertrages von Utrecht an Großbritannien abgetreten. Die Region wäre das 54. Mitglied der Uefa - und das kleinste. Selbst San Marino hat 32.000 Einwohner.

"Große Leidenschaft"

Dennoch rühmt man sich in Gibraltar einer großen Fußball-Tradition: Der Verband existiert schon seit 1895, die Teams bestreiten regelmäßig inoffizielle Freundschaftsspiele, die Sport-Begeisterung ist groß, wie Richard Manning, Generalsekretär des Verbandes, betont: "Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung. Unsere Leidenschaft für den Fußball ist groß."

Doch noch ist keinesfalls sicher, dass es tatsächlich zu einer endgültigen Anerkennung kommt. Das letzte Ansuchen auf Mitgliedschaft im Jahr 2006 wurde mit einer Ablehnung beantwortet, womit eine Konfrontation mit Spanien vermieden wurde. Damals hatte der spanische Verband mit einem Austritt gedroht, wäre Gibraltar aufgenommen worden. In den 1990er Jahren hatte Gibraltar schon zweimal versucht, in den Fußball-Weltverband (Fifa) aufgenommen zu werden - vergeblich.

"Wir sind bereit, der Uefa beizutreten und hoffen, dass uns keine weiteren Steine in den Weg gelegt werden", heißt es in der offiziellen Stellungnahme Gibraltars weiter. Das freilich wird’s nicht spielen. So viel steht wohl fest.