Rom. Der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann war am Mittwoch zu einem Kurzbesuch in Rom. Vor dem Gespräch mit Italiens Premier Mario Monti traf Faymann Südtiroler Parlamentarier, die sich besorgt über die zentralistische Politik zeigten, die die Regierung Monti betreibe. Man wolle an der Sanierung der italienischen Bilanzen mitwirken, allerdings nur unter Berücksichtigung des Autonomiestatus. Die italienische Regierung spare überproportional bei Regionen mit Sonderstatut, beklagte der Südtiroler Senator Oskar Peterlini im Gespräch mit der Nachrichtenagentur APA.

Bei dem offiziellen bilateralen Treffen zwischen Faymann und Monti wurde die Notwendigkeit unterstrichen, die gemeinsame europäische Währungspolitik zu stärken. "Europa steht vor der wichtigen Frage, ob wir auseinandergehen oder ob wir einen weiteren Schritt in Richtung Integration" gehen wollen, sagte Faymann bei einer Pressekonferenz mit Monti. Dazu gehörten der Rettungsschirm, die unabhängigen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank sowie eine Bankenkonzession für den Europäischen Stabilitätsmechanismus und in Zukunft Überlegungen zu einem Schuldentilgungsfonds und gemeinsamen Fonds.

Faymann hob die engen wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Rom und Wien hervor. Italien und Österreich wollen sich verstärkt im Rahmen bilateraler Projekte engagieren, erklärte Monti. Besonders wichtig seien die Investitionen für den Brennerbasistunnel. Die italienische Regierung stelle für den Zeitraum 2013 bis 2015 rund 700 Millionen Euro für dieses große Infrastrukturprojekt zur Verfügung, das nicht nur für Italien und Österreich, sondern für die ganze EU wichtig sei, sagte Monti, der landesintern stärker wegen seines Sparkurses in die Kritik auch vom Rechnungshof gerät.

Indessen bestätigte der börsennotierte Baukonzern Strabag, dass er sich die Ausschreibungsunterlagen für die Brennerautobahn zuschicken hat lassen.