Ankara/Jerusalem/Gaza. Vor einem Gericht in Istanbul wird wegen des blutigen Militäreinsatzes gegen die Gaza-Hilfsflotte vor zweieinhalb Jahren gegen vier nicht anwesende israelische Offiziere verhandelt.

Dem früheren Generalstabschef Gabi Aschkenasi und drei weiteren Ex-Kommandeuren wird vorgeworfen, für die blutigen Erstürmung der türkische Fähre "Mavi Marmara" am 31. Mai 2010 verantwortlich zu sein. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft wegen Totschlags, Freiheitsberaubung und Plünderei.

Bei dem Einsatz waren neun Türken getötet worden, von denen einer auch US-Bürger war. Ein weiterer Türke liegt seitdem im Koma.

Gewaltsame Erstürmung

Die Erstürmung der türkischen Seefähre "Mavi Marmara" brachten die einst guten Beziehungen zwischen Israel und der Türkei auf einen Tiefpunkt. Neun pro-palästinensische Aktivisten aus der Türkei wurden getötet, als israelische Soldaten das Leitschiff einer internationalen Flotte auf dem Weg zum Gazastreifen am 31. Mai 2010 gewaltsam stoppte.

Die islamisch-türkische Stiftung für humanitäre Hilfe (IHH) hatte die "Mavi Marmara" gechartert. Zusammen mit anderen Schiffen sollte sie als "Solidaritätsflotte" Israels Seeblockade des Gaza-Streifens durchbrechen und 10.000 Tonnen Hilfsgüter zu den Palästinensern bringen.

Das israelische Militär enterte mehrere Schiffe von Kommandobooten und Hubschraubern aus. Auf der "Mavi Marmara" wehrten sich vor allem türkische Aktivisten und lieferten sich mit den Soldaten Schlägereien und Kämpfe. Es wurden 50 Aktivisten sowie 7 israelische Soldaten verletzt.

Angriff in internationalen Gewässern

Die israelischen Streitkräfte machten gewaltbereite Aktivisten, die Soldaten "mit Metallstöcken und Messern angegriffen" hätten, für den blutigen Ausgang verantwortlich. Die türkische Regierung und große Teile der türkischen Öffentlichkeit sahen dagegen die Aktivisten, die sich in internationalen Gewässern gegen einen Angriff gewehrt hätten, absolut im Recht.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warf Israel "Staatsterrorismus" vor. Ankara macht bis heute eine offizielle Entschuldigung des einstigen Verbündeten und Entschädigungszahlungen Israels an die Opfer zur Bedingung für ein Ende der diplomatischen Eiszeit.

In einem im vergangenen Jahr veröffentlichten UN-Bericht wurde die israelische Seeblockade des Gazastreifens als "rechtmäßig und angemessen" bezeichnet. Der Militäreinsatz gegen die Hilfsflotte wurde aber als "maßlos und unangebracht" eingestuft.