Wien. Im Palais Sturany wird derzeitig noch fleißig renoviert, rund sechs Monate wird es wohl dauern, bis das König-Abdullah-Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog die prominente Adresse am Wiener Schottenring tatsächlich auch beziehen kann. Offiziell eröffnet wird das zuletzt in die Kritik geratene Zentrum allerdings schon am Montag bei einem Festakt in der Wiener Hofburg, zu dem unter anderem auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon erwartet wird.

Geburtsstunde des religiösen Dialogzentrums ist das Treffen des saudischen Königs Abdullah mit Papst Benedikt XVI. am 6. November 2007, Schauplatz war der Vatikan. Die Unterredung wurde von den italienischen Medien als "historisch" gefeiert, denn der Vatikan und Saudi-Arabien unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Grund dafür ist die religiöse Intoleranz des saudischen Wahhabismus. Den Christen im Land ist - auch innerhalb ihrer Wohnungen - jede religiöse Betätigung streng untersagt. Die saudischen Grenzbehörden sind angewiesen, die Einfuhr von Bibeln, Kreuzen, Rosenkränzen und Andachtsgegenständen aller Art zu unterbinden. Das Regime in Riad gilt als eines der repressivsten weltweit, Folter ist laut Amnesty International in den Gefängnissen an der Tagesordnung.

Die Initiative für das Treffen mit dem Papst ging nachweislich von dem Wahhabiten-König aus, die Audienz dauerte über eine Stunde - geplant gewesen waren 30 Minuten. Abdullah, "Hüter der heiligen Moscheen und König von Saudi-Arabien", der es auf ein Eigenkapital von 21 Milliarden Dollar bringt, schlug dem Pontifex die Gründung eines interreligiösen Dialogzentrums vor, der Papst willigte ein. Für Benedikt handelte es sich um die einzigartige Gelegenheit, seine Kritiker zu besänftigen und die Wogen zu glätten. Der katholische Oberhirte hatte 2006 in seiner "Regensburger Rede" einen byzantinischen Kaiser zitiert, der den Islam als gewalttätig bezeichnete - ein Aufschrei der Empörung in der islamischen Welt war die Folge.

"No politics"

Über die Motive des gesundheitlich angeschlagenen 88-jährigen saudischen Königs wird freilich gerätselt. Abdullah wagt immer wieder kleine Reformen, so dürfen Frauen jetzt Autofahren und ab 2015 wählen. Kritiker befürchten, der Ölscheich wolle unter dem Deckmantel des Dialogs die erzkonservative Spielart des Islam international salonfähig machen. Faisal bin Abdulrahman bin Muaammar, Generalsekretär des Dialogzentrums und langjähriger Vertrauter des Königs, weist das gegenüber der "Wiener Zeitung" zurück; auch Kirchenvertreter sind vorsichtig optimistisch und erwähnen den Umstand, dass im Aufsichtsrat des Dialogzentrums alle Weltreligionen vertreten sind. An den Mit-Gründerstaaten Österreich und Spanien vorbei kann keine Entscheidung getroffen werden, heißt es hier, bin Muaammar betont öfter als einmal, dass es "null politische Einflussnahme" aus Riad geben werde. Er höre den Begriff Wahhabismus öfter in Österreich als in Saudi-Arabien, so der ehemalige Vize-Bildungsminister. Der saudische König sei vielmehr wegen der "instabilen Situation im Nahen und Mittleren Osten", angesichts der vergangenen und gegenwärtigen Kriege und der "vielen gescheiterten Vermittlungsversuche" betrübt und wolle nun einen Ort des friedlichen Dialogs schaffen.

Dieses Ziel wurde von Abdullah jedenfalls mit einiger Beharrlichkeit verfolgt. Im Juni 2008 holte sich der König in Mekka die Unterstützung von 500 islamischen Geistlichen, im Juli gab es ein Treffen von Vertretern verschiedener Religionen in Madrid. Spanien ist neben Saudi-Arabien und Österreich einer der drei Gründerstaaten des Projekts. Die UNO gab ihren Segen und im Oktober 2011 war das Dialogzentrum beschlossene Sache. Ein Jahr später kamen die Verantwortlichen zu einer ersten Sitzung zusammen - die Zusammenarbeit funktioniere "wunderbar", schwärmt bin Muaammaar, stets flankiert von seiner Stellvertreterin Ex-Justizministerin Claudia Bandion-Ortner. Dass Wien zum Sitz erkoren wurde, hat laut bin Muaammar mehrere Gründe. Er verweist auf den UN-Standort und die Tradition religiöser Toleranz. Immerhin sei der Islam in Österreich seit 1912 staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft.