Bei seinem Amtsantritt 2003 hatte Klaus noch angekündigt, dass er ein "aktiver" und kein "aktivistischer" Präsident sein wolle. Davon war aber wenig zu merken. So weit es ging, dehnte er die Verfassung aus, trieb zuletzt die Regierung, die nur über eine schwache Mehrheit verfügt, vor sich her, legte ständig Vetos gegen Gesetzesvorhaben von Premier Petr Necas ein.

In der Auffassung über das Präsidentenamt war Klaus seinem Vorgänger Vaclav Havel gar nicht so unähnlich, so sehr der mittlerweile verstorbene Schriftsteller Havel in den 1990er Jahren auch ein Gegenspieler des Pragmatikers Klaus war. Beide wollten korrigieren oder zumindest öffentlich beklagen, was ihrer Meinung nach falsch lief, und führten dabei das repräsentative Amt oft mitten in die Parteipolitik. Und damit könnten sie auch das tschechische Präsidentenamt für die Zukunft geprägt haben.

Es wurde immer einsamer um den Präsidenten

Doch während der frühere Dissident Havel mit großem Respekt verabschiedet wurde und bis heute als moralische Instanz in Tschechien gilt, ist es um Klaus immer einsamer geworden. Seine Polemiken gegen die EU sorgen bei vielen tschechischen Kommentatoren für Kopfschütteln, ja fast schon für Beschämung. "Aus einem konservativen Liberalen ist ein nationalistischer Konservativer geworden", sagt Pehe. Die Skepsis von Klaus gegenüber der EU habe sich immer mehr zu einer Gegnerschaft entwickelt.

Es ist das Paradox von Klaus, dass er sich als der Bewahrer der tschechischen Souveränität gegenüber Brüssel sieht, ihm dabei aber offenbar nicht allzu viele Tschechen folgen mögen. Die europakritische Partei seines Freundes Petr Mach, der Klaus bei den letzten Parlamentswahlen 2009 offen Sympathien entgegenbrachte, scheiterte mit unter einem Prozent Zustimmung kläglich. Spekuliert wird nun, dass Klaus in Zukunft selbst eine europakritische Partei anführt. Ob diese dann aber viel Zustimmung erhält, ist fraglich. Oder Klaus zieht im Hintergrund die Fäden. Noch immer soll sein Einfluss auf den europaskeptischen Flügel in der ODS groß sein. Jedenfalls wird er auch mit 71 Jahren nicht leisetreten, sei es, dass er eine Denkfabrik anführt, worüber es in Tschechien ebenfalls Gerüchte gibt, sei es, dass er als Redner durch die Welt tourt. Sein Hauptthema wird aller Wahrscheinlichkeit die von ihm so verteufelte EU bleiben. Mag es auch ein Kampf gegen Brüsseler Windmühlen sein, Vaclav Klaus wird ihn aufnehmen - selbstbewusst, polemisch und widerspenstig.