Brüssel/Wien. In der EU wird derzeit an einer Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik gearbeitet. In der Nacht zum Mittwoch wurde vor allem das Rückwurf-Verbot diskutiert. Erst nach 21 Verhandlungsstunden konnte sich der Europäische Rat auf ein Ergebnis einigen - es ist, dank des Drucks der Fischerei-Nationen, gespickt mit Ausnahmen.

Derzeit werden durchschnittlich 40 Prozent eines Fangs zurück geworfen. Anders formuliert: Fast die Hälfte der Fangmenge wird tot ins Meer gekippt. Diese Aussortierung mittels "Rückwurf" hat verschiedene Gründe. So gibt es für die meisten klassischen Speisefische inzwischen aufgrund von Überfischung Fangquoten, etwa für Kabeljau. Hat ein Schiff seine Kabeljau-Quote schon ausgeschöpft, fischt aber weiterhin nach anderen Fischarten und findet doch noch Kabeljau in den Netzen, so wird dieser Kabeljau bisher tot ins Meer zurückgekippt. Am Festland konnte man mit ihm nämlich nichts anfangen - ihn also nicht verkaufen, wenn die Quote schon erfüllt war. Ein anderer Grund, das Netz zu entleeren, ist, wenn dieses zwar voll ist, aber sich darunter zu wenig jener speziellen Fischart, nach der gejagt wurde, befindet. Zum Teil wird gekippt, weil die Maschinen zum Ausnehmen der Fische gerade auf eine bestimmte Fischgröße eingestellt sind und es zu umständlich wäre, diese auf andere Größen umzustellen - also zurück ins Meer.

Der Europäische Rat hat nun einen Kompromiss ausgehandelt. 2014 sollen nur noch neun Prozent dieses Rückwurfs auf die Fangquote erlaubt sein, dann acht und ab 2017 sollen es nur noch sieben Prozent sein.

Das bedeutet beispielsweise, dass ein Schiff nur noch sieben Prozent der Kabeljau-Fangquote ins Meer kippen darf. Die darüber liegende Fangmenge muss an Land gebracht werden und darf dort nicht gewinnbringend verkauft werden, heißt es in dem Entwurf. "Da gibt es verschiedene Möglichkeiten - entweder die kostenfreie Abgabe an Charity-Organisationen oder die Verarbeitung zu Fischmehl", erklärt Saskia Richartz, die für Greenpeace die Meerespolitik der EU in Brüssel überwacht, gegenüber der "Wiener Zeitung".

Zudem sind zwar ab 2017 alle Schiffe, die mit europäischer Flagge in internationalen Gewässern fischen, von der Quotenregelung erfasst. Der Rat hat hingegen die nationalen Gewässer von Drittstaaten explizit von der Quotenregel ausgenommen. Das bedeutet im Klartext, dass europäische Schiffe beispielsweise vor der westafrikanischen Küste weiterhin fischen und kippen können, wie sie wollen. "Das Argument ist, dass da ja dann die Regeln des Küstenstaats gelten würden. Das ist natürlich schwach", kritisiert Richartz. In diesen nationalen Gewässern existiert zumeist nicht einmal eine Fangquote - geschuldet aus der ökonomischen Situation des Landes, das seine Gewässer an die EU vermietet. Sehr zum Leidwesen der lokalen Fischerei.