Athen. (fb) Die Chefkontrolleure von Griechenlands Geldgeber-Troika aus EU, EZB und IWF prüfen seit Sonntag in Athen erneut die Bücher - das erste Mal seit Oktober. Kontrolliert wird, ob Griechenland die vereinbarten Auflagen umsetzt. Dass Athen die nächsten beiden Kredittranchen (von 2,8 Milliarden Euro sowie 6 Milliarden Euro) erhält, gilt als sicher.

Doch in der Bevölkerung macht sich immer mehr Unmut breit. Hohe Wellen schlägt in Athen ein vertrauliches E-Mail der EU-Kommission mit einem Verhaltenskodex an ihre nach Griechenland entsandten Mitarbeiter. Die Athener Zeitung "To Vima" enthüllte am Wochenende das Dokument, wonach die EU-Kommissions-Mitarbeiter eindringlich davor gewarnt werden, bei ihrem Aufenthalt in Hellas im Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung ihre wahre Identität preiszugeben.

"Werden Sie vom Taxi-Fahrer auf dem Weg vom Flughafen in Ihr Hotel oder vom Kiosk-Verkäufer beim Kauf von Kleinigkeiten nach Ihrem Beruf gefragt, dann sprechen Sie über Ihren früheren Beruf oder den Beruf eines guten Freundes", heißt es darin. Ferner sei davon abzusehen, sich bei Demonstrationen als EU-Mitarbeiter erkenntlich zu geben oder aus dem Fenster auf Protestler zu schauen. Es lägen Informationen vor, wonach es in Athen im März zu gewaltsamen Ausschreitungen mit einer nicht konkretisierten Anzahl von Toten kommen werde. Dies sei laut besagter E-Mail das erste Mal, dass die EU-Kommission einen derartigen Reisehinweis an ihre Mitarbeiter bei einer Reise in ein EU-Mitgliedsland richtet.

Die griechische EU-Kommissarin Maria Damanaki brachte per Schreiben an EU-Kommissionspräsident Jose Barroso unterdessen ihren Protest zum Ausdruck. Auch der Athener Abgeordnete Dimitris Papadimoulis (Syriza) griff Brüssel scharf an: "Hätten die Brüsseler Bürokraten ein bisschen Grips, dann würden sie die sich ausbreitende Antipathie in Europas Süden gegen sie anders interpretieren. Statt idiotische Direktiven an ihre Mitarbeiter zu versenden, sollten sie sich besser eine andere Politik überlegen."