Brüssel/Wien. (wak) Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone ist so hoch wie nie zuvor. Von Jänner auf Februar verloren weitere 33.000 Menschen ihren Job, teilte das europäische Statistikamt Eurostat am Dienstag mit. In den 17Euro-Ländern sind damit fast 19,1 Millionen Männer und Frauen arbeitslos - und damit knapp 1,8 Millionen mehr als im Februar vergangenen Jahres (saisonal bereinigt).

Zur Veranschaulichung: In der Eurozone sind so viele Menschen als arbeitssuchend gemeldet, wie die Millionenmetropole New York Einwohner hat - und im vergangenen Jahr hat sich, trotz der Bemühungen des Gegensteuerns, die Bevölkerungszahl von Wien dazu addiert. Dass sich der Trend verfestigt, zeigt sich auch in den absoluten Zahlen: Von Jänner auf Februar wurden 33.000 Menschen mehr in der Eurozone als arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote in der Eurozone blieb mit 12 Prozent auf dem Niveau des Vormonats. Im Februar 2012 hatte sie "nur" 10,9 Prozent betragen.

Ein ähnliches Muster zeigt sich, wenn man die EU-27 betrachtet - da hat die Arbeitslosigkeit von Jänner auf Februar um 0,1 Prozentpunkte zugelegt (auf 10,9 Prozent) und damit einen neuen Rekord erreicht. In Personen ausgedrückt: 76.000 Menschen haben sich in den 27 EU-Ländern im Februar erstmals arbeitslos gemeldet. In den USA geht es den Menschen nach der Berechnung von Eurostat besser: Die Arbeitslosenrate betrug dort im Februar 7,7 Prozent.

Als "arbeitslos" gilt eine Person im Sinne von Eurostat dann, wenn sie zwischen 15 und 74 Jahren alt ist (außer für Spanien, Italien und das Vereinigte Königreich, wo erst Personen ab 16 zu den potenziellen Beschäftigten gezählt werden). Zudem müssen die Personen aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als erwerbstätig zählen hingegen Personen, die in der Bezugswoche mindestens eine Stunde gearbeitet haben. In dieser Zahl sind auch Selbständige und geringfügig Beschäftigte enthalten, die bei der nationalen Methode nicht mitgerechnet werden.

26,4 Prozent: Griechenland ist trauriger Spitzenreiter

Die vom österreichischen Arbeitsmarktservice (AMS) veröffentlichte nationale Arbeitslosenzahl und Arbeitslosenquote basiert dagegen auf den beim Arbeitsamt vorgemerkten Arbeitslosen und den beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger erfassten unselbstständig Beschäftigten. Das erklärt etwa, wieso nach nationaler Berechnung im Februar in Österreich die Quote bei 8,7 Prozent lag, nach Eurostat jedoch bei 4,8 Prozent. Österreich zählt damit zu dem Land mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit, dicht gefolgt von Deutschland (mit 5,4 Prozent). Griechenland verzeichnet mit 26,4 Prozent die höchste Arbeitslosenrate, dicht gefolgt von den Euro-Sorgenkindern Spanien (26,3 Prozent) und Portugal (17,5 Prozent). Irland, das wie Portugal unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft ist, konnte seine Arbeitslosenquote von 15,1 auf 14,2 Prozent im vergangenen Jahr verbessern. Beobachter gehen aber davon aus, dass nicht eine aktive Beschäftigungspolitik in Irland kausal dafür war, sondern eine Migrationswelle in die USA und Kanada.

Auch die Arbeitslosigkeit im rezessionsgeplagten Italien ist erstmals seit Mitte 2012 etwas gesunken. Die - um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte - Arbeitslosenquote fiel von Jänner auf Februar auf 11,6 von 11,7 Prozent, wie das nationale Statistikamt Istat am Dienstag mitteilte. Auch die Jugendarbeitslosigkeit in Italien ging zurück auf 37,8 Prozent - nach einem Rekordhoch von 38,6 Prozent im Jänner.

Deutschland liegt bei Jugendbeschäftigung vorne

Im europaweiten Vergleich der Jugendarbeitslosigkeit lag Österreich im Februar mit 8,9 Prozent auf dem zweitbesten Rang hinter Deutschland (7,7 Prozent). Der höchste Wert wurde aus Spanien mit 55,7 Prozent gemeldet.

Angesichts dieser Entwicklung ist es kaum verwunderlich, dass die EU-Kommission Spanien, Portugal und Frankreich mehr Zeit zum Sparen geben will, wie am Montag zu hören war. "Es handelt sich um eine Absicht, es wird noch von der Überprüfung abhängen", sagte ein Sprecher in Brüssel. Die Kommission kann wegen der schweren Wirtschaftskrise unter bestimmten Bedingungen vorschlagen, die Fristen in den Defizitstrafverfahren um ein Jahr zu verlängern. Frankreich (mit einer Arbeitslosenquote von 10,8 Prozent im Februar) muss nach bisherigen Abmachungen seine Neuverschuldung im laufenden Jahr unter die Marke von drei Prozent der Wirtschaftsleistung bringen, Spanien und Portugal sind im nächsten Jahr an der Reihe.