Florenz. Sieben Jahre nach seinem weltweit erfolgreichen Bestseller über die neapolitanische Mafia sorgt der unter Polizeischutz lebende italienische Enthüllungsautor und Journalist Roberto Saviano mit einem neuen brisanten Mafia-Thema für Furore: Am Freitag erscheint in Italien sein neues Buch "Zero Zero Zero" (Null Null Null) über das weltweite Geschäft mit Kokain. Sein Fazit: Kein anderer Markt wirft derart horrende Profite ab.

Es gebe nur einen einzigen Wirtschaftszweig, der endlos wachsen könne und niemals eine Krise erlebe - und das sei der Kokainhandel, schreibt der unter Polizeischutz lebende Anti-Mafia-Autor in einem am Dienstag in der italienischen Zeitung "La Repubblica" vorab veröffentlichten Kapitel des Buches. Morgen, Donnerstag, wird es in Italien vorgestellt. Auf Deutsch wird es wahrscheinlich im ersten Quartal 2014 erscheinen.

Der Autor selbst wird nicht die Gelegenheit haben, es selbst einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Seit der Publizierung von "Gomorrha", seinem Erfolgswerk über die neapolitanische Camorra, über die Clans von Casale di Principe, Scampia und Seecondigliano, lebt der heute 33-Jährige unter strengstem Polizeischutz im Verborgenen, stets zum plötzlichen Umzug bereit, stets auf der Flucht vor einem Heer von Killern, die auf ihn angesetzt sind. Nur selten wagt er sich aus der Deckung wie jüngst anlässlich eines Treffens mit dem Chef der Demokratischen Partei und Linkspolitiker Pier Luigi Bersani.

Den Kampf gegen das Organisierte Verbrechen gab er trotz des hohen Preises, den er persönlich zahlt, nicht auf. Mit seinem jüngsten Werk über die engen Verstrickungen zwischen Drogen-Handel und Mafia liefert er den Beweis. In langjähriger Kleinarbeit verfolgte Savano in den vergangenen Jahren den Weg des Kokains, zeichnete den gigantischen Geldfluss der Koka-Konglomerate akribisch nach. Und er entlarvt die Aktivitäten der verschiedenen italienischen Mafia-Organisationen, die alle vom Drogengeschäft profitieren, das von den Clans einst noch verpönt war.

Längst hat sich ein Konglomerat aus illegalem Drogenhandel und legaler Wirtschaft gebildet, klagt Saviano in "Zero Zero Zero" an. Die Verflechtungen sind eng: Im Süden werden Kokain und andere Drogen gehandelt, die unermesslichen Gewinne werden in legale Geschäfte nicht nur in Norditalien, auch in der Schweiz, in Deutschland oder Skandinavien investiert. Und die Metastasen der Mafia greifen immer weiter in die europäische Wirtschaft ein.

56.000 Dollar für ein Kilo

Normalerweise funktioniere Wirtschaft ja nach den Gesetzen des Marktes, heißt es in Savianos neuestem Buch: Angebot und Nachfrage bestimmten die Warenproduktion und den Handel. In der Welt von heute habe dieser Mechanismus aber seine Grenzen erreicht, Ressourcen schwänden und die Nachfrage nach Gütern lasse nach - vielerorts sei Rezession zu beobachten. Dies gelte nicht für den Drogenmarkt. Dort garantierten erhebliche Preisspannen trotz Eurokrise maximale Gewinne. Wird ein Kilo Kokain in Kolumbien für 1500 Dollar (1170 Euro) verkauft, kostet es in Mexiko bereits zwischen 12.000 und 16.000 Dollar, in den USA 27.000, in den Niederlanden 47.000 und in Italien 56.000 Dollar, schreibt der Autor. Gewinne, die mit keiner anderen Ware erzielt werden könnten.

Dem unheilvollen Treiben der Organisierten Kriminalität Einhalt zu bieten, hat der Neapolitaner zu seinem Lebensmotto erklärt. Beharrlich fordert er bei seinen seltenen Fernsehauftritten und Treffen die Politikernzum mutigen Kampf gegen diese Strukturen auf. Sein neuestes Buch steht in dieser Tradition. Auch diesmal rechnet der Journalist von "La Repubblica" trotz aller Einschüchterungsversuche gnadenlos mit den blutigen Machenschaften der Mafia ab. Sein bisheriger Erfolg gibt ihm recht: "Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra" wurde inzwischen in 46 Sprachen übersetzt, der gleichnamige Film von Matteo Garrone in Cannes mit dem Preis der Jury prämiert.