Über 50 Prozent: die Vertreter der Sorgenkinder Griechenland (Batzoglou, l.) und Spanien (Jiménez) mit Moderator Göweil (Mitte). - © Jenis
Über 50 Prozent: die Vertreter der Sorgenkinder Griechenland (Batzoglou, l.) und Spanien (Jiménez) mit Moderator Göweil (Mitte). - © Jenis

Wien. (wak) In Europa wird es eine "Jugendgarantie" für Regionen geben, in denen die Jugendarbeitslosigkeit über 25 Prozent steigt: Nach höchstens vier Monaten ohne Job soll arbeitslosen Jugendlichen eine Beschäftigung oder eineAus- und Weiterbildung angeboten werden. Vorbild ist das duale Modell in Österreich.

Im jetzigen Budget-Entwurf (2014 bis 2020) sind diese EU-Jugendgarantie sowie andere Initiativen zur Beschäftigung junger Menschen mit insgesamt sechs Milliarden Euro dotiert - für sieben Jahre. Ob diese vergleichsweise geringe Summe überhaupt irgendwelche Auswirkungen haben kann, darüber wurde am Dienstagabend im Europahaus unter dem Titel "Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen! Aber wie?" lebhaft diskutiert. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten und der "Wiener Zeitung" statt.

Die Frage, ob sechs Milliarden Euro für volle sieben Jahre reichen werden, wurde vom Chefredakteur der "Wiener Zeitung", Reinhard Göweil, der die Diskussion moderierte, gleich eingangs an Anna Maria Darmanin weitergegeben. "Instinktiv würde ich sagen, es ist einmal ein guter Anfang", meinte die Vizepräsidentin des Wirtschafts- und Sozialausschusses der EU, eines beratenden Nebenorgans, in dem Arbeitgeberverbände sowie andere Interessensgruppen organisiert sind. Es sei aber noch viel mehr Geld nötig, konstatierte die Malteserin und erinnerte daran, dass sich die gesamten volkswirtschaftlichen Kosten der Jugendarbeitslosigkeit auf 150 Milliarden pro Jahr belaufen.

Das mit 25 Jahren jüngste Podiumsmitglied, Julio Jiménez, Jurist und Ökonom aus der katalanischen Hauptstadt Barcelona, erklärte, dass die etwaige Hoffnung, die Nationalstaaten würden schon zu diesen 6 Milliarden Euro etwas besteuern, ins Leere läuft. Zumindest sei das im schuldengeplagten Spanien der Fall. Dort liegt die Jugendarbeitslosigkeit bekanntlich bei 50 Prozent - dennoch sieht die spanische Regierung aber Ausgabenkürzungen als oberste Priorität: "Erst im heurigen Jahr wurde das Budget für aktive Arbeitsmarktpolitik von anfänglichen 1,5 Milliarden auf null Euro zusammengestrichen", sagt Jiménez. Die Spanier retten sich und ihre private Budgetnot auf klassische Weise: Ein Viertel der Wirtschaft bestünde bereits aus dem "Schwarzmarkt". Durch die Schaffung von Jobs könnte diese Wirtschaft wieder auf den "regulären" Markt zurückkehren - was wiederum den Staatsfinanzen zugute käme.