München/Wien. Es ist eine Blamage sondergleichen, die das Oberlandesgericht München am Montag eingestehen musste. Der Prozess gegen die mutmaßliche Terroristin Beate Zschäpe - sie gilt als einziger noch lebender Kopf der rechtsextremen Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) - sowie vier ihrer Komplizen findet nicht wie geplant ab morgen, Mittwoch, statt. Neuer Verhandlungsstart ist der 6. Mai. Grund dafür sind die Turbulenzen um die Akkreditierung von Journalisten; die Vergabe der Plätze an Medienvertreter erfolgt nun von Neuem.

Zehn Morde in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2007 gehen laut den Ermittlern auf den NSU zurück, auch Bombenanschläge und Banküberfälle. Die Täter schlugen im gesamten Land zu, erschossen einen Blumenhändler in Nürnberg, einen Gemüsehändler in München oder den Betreiber eines Internet-Cafés im hessischen Kassel jeweils aus kurzer Distanz. Acht der Opfer waren türkischstämmige Migranten, ein griechischer Einwanderer und eine Polizistin zählten ebenfalls zu den Todesopfern. Mit großem Interesse verfolgen daher türkische Medien und Politiker den NSU-Prozess. Ebenso groß war deren Entrüstung, als die Münchner Richter die vorgesehenen 50 Presseplätze ohne Rücksicht auf die ausländischen Berichterstatter vergaben.

Für Klarheit sorgte erst ein Spruch des Verfassungsgerichts in der vergangenen Woche. Die Karlsruher Richter urteilten, mindestens drei Plätze müssten für "Vertreter von ausländischen Medien mit besonderem Bezug zu den Opfern der angeklagten Straftaten" reserviert werden. Das Gericht gab damit einer Beschwerde der türkischen Zeitung "Sabah" teilweise statt. Denn einige Medien seien früher über den Start der Akkreditierung informiert worden, "Sabahs" stellvertretender Chefredakteur Ismail Erel hatte die Information 19 Minuten später als andere Medienvertreter erhalten. Die Verfassungsrichter legten aber nicht fest, wie die Platzvergabe konkret erfolgen soll - also lag der Ball wieder bei den Münchner Kollegen.

Planlose Münchner Richter mit Angst vor Annullierung

Mit der Verschiebung des Prozesses legt das Oberlandesgericht seine Überforderung mit der Situation offen, von "Slapstick-Charakter" sprach ein Anwalt der Opfer. Dabei hätte es ganz anders kommen sollen: "Keinen Schauprozess für die Öffentlichkeit" wollte Gerichtspräsident Karl Huber führen. Niemand sollte bevorzugt werden. Völlig in den Hintergrund trat jedoch die politische Dimension des Prozesses. Immer mehr igelte sich das Gericht in Formalismen ein, gestattete etwa deutschen Journalisten, die ihren türkischen Kollegen freiwillig ihre Plätze anboten, die Rochade nicht.