Denn eine große Sorge treibt das Oberlandesgericht: Bloß keinen Fehler machen, der zur Anfechtung des Prozesses führen kann. Bereits die Videoübertragung des Prozesses in einen weiteren Saal wurde unterbunden, da TV-Aufnahmen von Verhandlungen rechtlich nicht gedeckt sind. Somit können lediglich 110 Personen die Verhandlungen in Gerichtssaal A 101 live verfolgen. Das Interesse ist enorm, neben Medienvertretern stellen die Opfer der Ermordeten einen Gutteil der Anwesenden: 77 von ihnen treten als Nebenkläger auf.

Pannen bei Aufarbeitung nehmen kein Ende

Mit der Verschiebung um knappe drei Wochen nimmt das Oberlandesgericht seinen Gesichtsverlust billigend in Kauf und ermöglicht sich, über ein völlig neues Akkreditierungsprozedere nachzudenken. "Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie der Senat das neue Akkreditierungsverfahren gestalten wird", gab Gerichtssprecherin Margarte Nötzel am Montag unumwunden zu. Die Posse um die Presseplätze ist der vorläufige Schlusspunkt einer Serie von Pleiten und Pannen in der Aufarbeitung des NSU-Terrors. Haarsträubende Fehler leisteten sich die deutschen Verfassungsschützer gegenüber den Rechtsextremen; zuletzt wurde kolportiert, dass die Verfassungsschutzabteilung im Brandenburger Innenministerium 1998 Erkenntnisse zum NSU nicht ordnungsgemäß an die Behörden in Thüringen und Sachsen weitergeleitet habe.

Keine guten Voraussetzungen also für das politisch brisanteste Verfahren seit der Anklage gegen Mitglieder der linksextremen RAF in den 1970ern. Die 38-jährige Zschäpe ist die einzige Überlebende aus dem Kern des NSU. Ihre Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erschossen sich nach deren Enttarnung 2011. Die beiden sollen sämtliche Morde ausgeführt haben, Zschäpe galt als gleichberechtigtes Mitglied und soll das Geld verwaltet haben. Zschäpe setzte nach dem Tod ihrer Komplizen deren gemeinsame Wohnung in Brand, versandte Bekennervideos und stellte sich der Polizei - seitdem schweigt sie. Neben ihr müssen sich vier weitere Personen wegen Beihilfe zum Mord und Unterstützung des NSU vor Gericht verantworten.