Brüssel/Wien. Ein Wohnungs- und Hauskredit für jeden - egal, ob er ihn zurückzahlen kann oder nicht. Solche Exzesse standen am Beginn der aktuellen Krise - vor allem in den USA, aber auch in Irland und Spanien führte das zu Immobilienblasen, die spektakulär implodiert sind. Mit fatalen Folgen. Damit soll künftig Schluss sein, befinden EU-Parlamentarier. Sie setzen sich für neue Regeln für Immobiliendarlehen ein, die einerseits mit strengeren Vorgaben die Qualität der Kreditvergabe steigern und andererseits den Verbraucherschutz stärken sollen. Eine erste Einigung dazu haben Vertreter des Parlaments, der EU-Kommission und der Mitgliedstaaten bereits erzielt. Noch müssen aber die gesamte Volksvertretung und alle Länder zustimmen.

Dass Irland, das derzeit den EU-Vorsitz innehat, die Gespräche rasch voranbringen will, hat gute Gründe: Gerade dort haben leichtfertige Kreditvergaben zur Krise des Finanzsystems stark beigetragen: Die Banken sind auf Darlehen in Höhe von Hunderten Milliarden Euro sitzen geblieben.

Aus für irreführende Zinsen

Es geht um einen Riesenmarkt mit beträchtlichen Risiken: Hypothekarkredite seien die größte finanzielle Verpflichtung, die europäische Familien üblicherweise eingehen - der Markt erreicht eine Größenordnung von mehr als 52 Prozent der EU-Wirtschaftsleistung, sagte der Chefverhandler des EU-Parlaments, der Spanier Antolín Sánchez Presedo. Insgesamt 6,5 Billionen Euro ist der europäische Kreditmarkt für Immobilien insgesamt schwer.

Daher soll er nun stärker reguliert werden. So sollen Banken oder andere Kreditgeber genauer als bisher prüfen müssen, ob ihre Kunden die Kredite überhaupt zurückzahlen können. Sie selber sollen wiederum staatlicher Kontrolle unterworfen sein. Umgekehrt soll ihnen aber auch grenzüberschreitende Tätigkeit erleichtert werden, indem den Klienten bestimmte Informationen in der gesamten EU in einheitlicher Form übermittelt werden. Das soll gleichzeitig dem Schutz der Konsumenten dienen.

Ein "Bankenbeipackzettel"

Diese können künftig Immobilienkredite besser vergleichen - was der SPÖ-Europamandatar Josef Weidenholzer einen "Bankenbeipackzettel" nennt. Die Regelungen legen dem Finanzmarkt strengere Informationspflichten auf. Kosten aus Krediten in einer fremden Währung oder mit variablen Zinsen müssten also transparent dargestellt werden. Sven Giegold, wirtschafts- und finanzpolitischer Sprecher der Grünen im EU-Parlament, weist darauf hin, dass bereits in der Werbung für Fremdwährungskredite sich ein Hinweis auf die Auswirkungen von Währungsschwankungen finden sollte. Die "verbrauchertäuschende Verwendung niedriger Zinsen in der Werbung" sollte damit beendet sein.