Istanbul. Nach dem exzessiven Tränengaseinsatz der Polizei gegen Demonstranten in Istanbul stehen die Zeichen weiter auf Konfrontation. Ungeachtet scharfer Warnungen der Regierung versammelten sich am Mittwoch erneut mehr als zehntausend Protestierer auf dem Taksim-Platz, wie Augenzeugen berichteten.

Der Großeinsatz der Polizei hatte die Lage nach zehn Tagen wieder eskalieren lassen. Der Gouverneur von Istanbul, Hüseyin Avni Mutlu, beschuldigte die Demonstranten, die Polizei angegriffen zu haben. Der Polizeieinsatz auf dem Platz werde so lange fortgesetzt wie nötig, sagte er.

Gemäßigtere Töne schlug indes der türkische Präsident Abdullah Gül an: "Wenn Menschen Bedenken haben, dann ist es unsere Pflicht, in den Dialog mit diesen Menschen zu treten", erklärte das Staatsoberhaupt am Mittwoch. Demonstranten, die Gewalt ausgeübt hätten, seien aber ausgenommen.

Diese Aufforderung zum Dialog befolgte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und traf am Mittwoch Künstler, Wissenschafter und Personen des öffentlichen Lebens zu einem als informell bezeichneten Gespräch über die Protestbewegung. Allerdings fehlten wichtige Organisatoren der Proteste, wie die Taksim-Plattform.

Die Massendemonstrationen hatten mit ProtestenProtesten gegen die Bebauung des zentral gelegenen Gezi-Parks in Istanbul begonnen. Nun hat die Regierungspartei AKP ein Referendum ins Gespräch gebracht. Man könnte die Bevölkerung über eine Überarbeitung der Baupläne abstimmen lassen, sagte der stellvertretende AKP-Chef Hüseyin Celik am Mittwochabend vor Journalisten. Zugleich forderte er die Demonstranten auf, den Park umgehend zu verlassen.

International wuchs indes die Kritik am Vorgehen der Polizei. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte "konstruktive Gespräche". UN-Generalsekretär Ban Ki-moon rief alle Beteiligten zu Ruhe und Dialog auf. Die USA, die die Türkei unter Erdogan bisher als Musterbeispiel für eine islamische Demokratie bezeichnet hatten, äußerten sich ebenfalls besorgt.