Tirana/Wien. Ein positives Bild gewannen österreichische Wahlbeobachter im Rahmen einer Mission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) vom bisherigen Wahlverlauf in Albanien. "Ich habe nichts beobachten können, was falsch gelaufen wäre", sagte der ÖVP-Nationalrat Wolfgang Großruck. Schon vor vier Jahren sei die Parlamentswahl "gut" abgewickelt worden, dieses Mal habe sich aber auch die Stimmung beruhigt: Die Polarisierung zwischen Regierung und Opposition sei zwar weiterhin vorhanden. Die Menschen ließen sich dadurch aber "nicht mehr so leicht in Rage bringen".

Der Urnengang war allerdings von einer Bluttat überschattet. Ein Beisitzer wurde bei einem Wahllokal erschossen. Bei früheren Wahlen gab es allerdings mehrere Tote schon im Wahlkampf. Die EU hat Wahlen nach europäischen Standards zur Bedingung gestellt, damit sie Albanien den Status eines EU-Beitrittskandidaten zuerkennt. "Aus meiner Sicht hat Albanien den Kandidatenstatus verdient", sagte Großruck, der schon mehrmals Wahlen in dem Land beobachtet hat.

Zentrale Wahlkommission
Hinsichtlich des Problems, dass die Zentrale Wahlkommission wegen eines Streits zwischen den Politlagern derzeit ein Rumpfgremium aus vier von der Regierung nominierten Mitgliedern ist, es aber mindestens fünf Mitglieder bräuchte, um die Wahlergebnisse zu bestätigen, verwies Großruck auf das der Kommission übergeordnete Wahlkollegium, das diese Aufgabe übernehmen könnte. Mitglieder des Kollegiums hatten auf Facebook allerdings ihre Sympathie für den Chef der Sozialisten, Edi Rama bekundet. Der bisher regierende Ministerpräsident Sali Berisha könnte das Gremium daher ablehnen.

Keine Wahlen in Albanien seit Ende der kommunistischen Diktatur haben westliche Wahlbeobachter wirklich zufriedengestellt. Meist endeten sie damit, dass die beiden großen Parteien sich gegenseitig des Wahlbetrugs beschuldigten und einen Sieg des jeweils anderen nicht anerkennen wollten. Aber auch der Grüne Nationalrat Karl Öllinger sprach gegenüber der APA dieses Mal von einem "sehr korrekten und professionellen Verlauf" in den Wahllokalen im südlichen Vlora, wo er anwesend gewesen sei. So sei es 1997 noch gang und gäbe gewesen, dass das Familienoberhaupt für die ganze Familie abstimmte. Davon habe er am Sonntag bis auf einen einzigen Grenzfall nichts bemerkt.