Bonn. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Im Mai 2013 war in der Europäischen Union fast jeder vierte junge Mensch ohne Beschäftigung. Vor allem in den Krisenländern wie Griechenland, Spanien oder Portugal, in denen es die Unter-25-Jährigen schon vor der Krise schwer hatten, in den Arbeitsmarkt hineinzufinden, hat sich die Situation in den vergangenen zwei, drei Jahren nochmals verschärft.

Während bei den Jungen der Trend noch immer nach oben zeigt, erwiesen sich die Jobs älterer Arbeitnehmer im Vergleich als erstaunlich sicher. Bedingt durch die Verschärfung der Pensioneintrittsregelung und die Abkehr von großzügigen "Golden Handshakes" in vielen EU-Ländern blieben zudem viele Ältere im Arbeitsprozess. Hängt die Misere der Jungen also mit der Beschäftigungssituation für ältere Arbeitnehmer zusammen? Oder anders ausgedrückt: Blockieren die gut situierten Alten die potenziellen Jobs der nachfolgenden Generation?

Glaubt man einer Studie des Bonner Instituts zu Zukunft der Arbeit (IZA), die gemeinsam mit dem Wifo für das EU-Parlament angefertigt wurde, lautet die Antwort auf diese Frage allerdings Nein. "Entgegen der weitverbreiteten Annahme gibt es keine fixe Menge an Arbeit, die zwischen den einzelnen Altersgruppen verteilt wird", schreiben die Studienautoren. Aufgrund der unterschiedlichen Berufsfelder, Qualifikationsstufen und der Job-Erfahrung gebe es keine unmittelbare Konkurrenz zwischen den Jungen und den Älteren auf dem Arbeitsmarkt. Die eine Gruppe könne nicht durch die andere ersetzt werden. "Es kann ganz klar festgehalten werden, dass die frühere Pensionierung ältere Arbeitnehmer keinen positiven Effekt auf den Arbeitsmarkteintritt der Jüngeren hat", heißt es in der Studie.

Skeptisch zeigen sich die Studienautoren auch gegenüber arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, die gezielt auf die Älteren oder die Jungen zugeschnitten sind. Programme, bei denen eine generelle Verbesserung der Job-Situation im Fokus stand, hätten für beide Gruppen deutlich positivere Effekte gezeigt. Maßnahmen zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, mit denen man gezielt den Jungen den Einstieg erleichtern wollte, haben sich laut der Studie zudem oft nur als Verschiebung des Problems nach hinten entpuppt: Ein befristeter Arbeitsvertrag oder atypische Beschäftigungsverhältnisse erwiesen in vielen Fällen nicht als Sprungbrett in geregeltere Beschäftigungsverhältnisse.

Nach Ansicht der Studienautoren lassen sich die Probleme der älteren und jüngeren Arbeitnehmer simultan lösen. Neben der Schaffung eines prinzipiell beschäftigungsfreundlichen Klimas schlagen die IZA-Wissenschafter vor allem Aktivierungsmaßnahmen und einen noch stärkeren Fokus auf Weiterbildung vor. Gleichzeitig müssten aber auch jene Schranken abgebaut werden, durch die gewisse Jobs und Arbeitsfelder nur schwer zugänglich sind.