Paris/Berlin. Die Parti Socialiste in Frankreich und die Sozialdemokratische Partei in Deutschland stehen auf der gleichen politischen Seite - möchte man meinen. Doch die Beziehungen zwischen Sozialisten und Sozialdemokraten gestalten sich schwierig. Das geht so weit, dass gar nicht so klar ist, wen Frankreichs Präsident François Hollande bei den im Herbst anstehenden Wahlen in Deutschland unterstützen soll.

"Ich habe die Sozialistische Partei geführt, ich habe sie nicht als Sozialdemokratische Partei benannt." So antwortete Hollande im Mai als ihn bei einer Pressekonferenz ein Journalist fragte: "Sind Sie Sozialdemokrat geworden?" Ein paar Wochen später war er allerdings als Ehrengast in Leipzig beim 150-Jahr-Jubiläum der SPD. Und da lobte er dann sogar die vom ehemaligen SPD-Kanzler Gerhard Schröder durchgesetzten Reformen der Agenda 2010, die mehr Flexibilität für den deutschen Arbeitsmarkt brachte. Als "mutige Entscheidungen" bezeichnete Hollande diese innerhalb der SPD immer noch umstrittenen liberalen Maßnahmen. Wollte er damit Peer Steinbrück, den SPD-Spitzenkandidaten, der für den rechten Flügel seiner Partei steht, einige Monate vor den Bundestagswahlen unterstützen?

Diese Unterstützung sei riskant, sowohl für François Hollande als auch für die SPD, schreibt die "La Tribune". Wenn Paris mit einem Sieg der SPD rechne, setze Hollande wahrscheinlich "auf das falsche Pferd", so die französische Wirtschaftstageszeitung. Glaubt man den derzeitigen Umfragen, dürfte die CDU/CSU von Kanzlerin Angela Merkel auf etwa 40 Prozent der Stimmen kommen - doppelt so viel wie die SPD. Steinbrück hat also wenig Chancen, die nächste deutsche Regierung zu führen. Auch mit einer möglichen Unterstützung der Grünen würde die SPD die absolute Mehrheit nicht erreichen.

Doch nicht nur für Hollande könnte eine Unterstützung der SPD ungünstig sein; auch für Steinbrück ist sie riskant. Denn Frankreichs Präsident hat in Deutschland nicht den besten Ruf. Eine zu große Nähe könnte der SPD-Kampagne schaden.

Doppelt Grund also, sich es sich mit der deutschen Kanzlerin nicht allzusehr zu verscherzen. Zeichen einer Annäherung zwischen Hollande und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel gab es Ende Mai, nachdem sie einen gemeinsamen Beitrag zur Vorbereitung des Europäischen Rats vorlegten. Im Papier wurde auf Wunsch von Paris die Bedeutung von Wachstum für Europa herausgestrichen. Berlin bekam die Betonung der Wichtigkeit der Haushaltskonsolidierung für die EU. Der Streit um Wachstum vs. Austerität belastete seit mehr als einem Jahr die deutsch-französischen Beziehungen. Nun könnten diese vor einer neuen Ära stehen.

Denn die Achse Paris-Berlin war mit der Wahl Hollandes zum Präsidenten 2012 ins Stocken gekommen und das bis dahin dynamische Duo "Merkozy" - der aligen Staatschef Nicolas Sarkozy und Angela Merkel - aufgelöst. Hollande irritierte gleich im Juni 2012 Merkel damit, dass er einen Wachstumspakt als Voraussetzung für die Durchsetzung des von Merkel und Sarkozy eingeführten Fiskalpakts verlangte. Doch nun da es so scheint, als müsste Hollande mit weiteren vier Jahren Merkel rechnen, dürfte er allmählich nach Wegen suchen, sich mit ihr zu arrangieren.